Zeichnungen

Die Zeichnung diente Gerhard Marcks in erster Linie als Hilfsmittel für die plastische Arbeit. In der Regel während Modellsitzungen entstanden, umkreisen sie auf der Suche nach der endgültigen Form in immer neuen Ansichten eine bildnerische Idee. Ein harter Bleistift ist das bevorzugte Werkzeug. Parallel zu den Modellstudien waren Stift und Papier für Gerhard Marcks ein praktisches, leicht zu handhabendes Ausdrucksmittel, das ihn auf seinen Reisen begleitete und zu dem er auch im häuslichen Umkreis griff, um Momentaufnahmen oder Landschaftseindrücken eine bleibende Erinnerung zu verleihen.


Zeichnung aus dem Skizzenbuch von 1904

Für seine ersten künstlerischen Versuche beschäftigte sich Gerhard Marcks intensiv mit Tieren. Bereits als Fünfzehnjähriger zeichnete er tagelang im Berliner Zoo. Auch heute noch überraschen diese Bleistiftzeichnungen durch die Virtuosität, mit der der Schüler einheimische wie exotische Tiere äußerst naturnah und reich an Details wiederzugeben vermochte. Die hier geschärfte Beobachtungsgabe bildete die Voraussetzung für den großen Erfolg seiner späteren Tierplastiken. Diese suchen mit wenigen, aber sehr typischen Linien einen Ausgleich zwischen Naturvorbild und künstlerischer Reduktion. Marcks umschrieb diesen Bildfindungsprozess als „Hieroglyphe“ finden. Bis zum Ende seines Schaffens bilden Tiere einen entscheidenden Anteil am seinem Werk.


Landschaft aus dem Dornburger Skizzenbuch, 1923

Die Landschaft gehört zu dem in den Jahren 1920 bis 1923 entstandenen „Dornburger Skizzenbuch“, das Gerhard Marcks seiner Frau mit dem Vers widmete: „Was das Auge sah und das Herz empfand zeichnete die Hand und nun hast du’s da“. In farbigen Stift- Feder- und Pinselzeichnungen sammelte er in ihm Eindrücke und Erlebnisse aus der Umgebung. Teils eingeklebt, teils direkt in das Buch gezeichnet, schuf er mit dem Skizzenbuch ein liebevolles Porträt der Menschen und Landschaften an der Saale. Der Stil ist dabei keineswegs naturalistisch sondern verbindet auf eigentümliche Art und Weise abstrakte, ornamentale und auch naive Tendenzen. Wie in der Plastik war Marcks auch in diesen Landschaftsbildern um das Finden einer klaren Struktur bemüht.