Kleine Danae, 1937

1925-1945

Von 1925 bis 1933 arbeitet Gerhard Marcks an der Gewerbeschule Burg Giebichenstein in Halle an der Saale, dort zuletzt als Direktor. Zunächst hatte er ein Lehramt für Bildhauerei inne. Hier findet er zu einer neuen Formensprache. Der expressionistische Ausdruck seiner Skulpturen aus den frühen zwanziger Jahren weicht einem natürlichen Menschenbild, das in klaren und strengen Formen aufgebaut ist. Er gestaltet seine Skulpturen nach mathematisch bestimmten Formprinzipien, zunächst blockhaft, wie bei der „Betenden“, dann immer wirklichkeitsnäher, ohne jedoch ein Abbild zu geben. Die „Thüringer Venus“, die man auch als Eva mit Apfel auffassen könnte, stellt kein Porträt dar – sie ist Sinnbild für Weiblichkeit. Er beginnt in Stein zu arbeiten und wagt sich an große Formate. Auch die Bronzen gewinnen an Monumentalität.

Marcks Reise nach Griechenland (1928) ist für ihn die Begegnung mit der archaischen Plastik und ein Schlüsselerlebnis, das sein gesamtes Werk prägen sollte. Sein eigenes Anliegen, das Wesen menschlicher Existenz in knappe Formeln zu fassen und allein durch ruhige, in sich ruhende Körper zum Ausdruck zu bringen, sieht er hier verwirklicht.

Von den nationalsozialistischen Machthabern wird Marcks wegen seines Eintretens für seine jüdische Kolleginnen Trude Jalowetz und Marguerite Friedländer-Wildenhain aus seinem Amt in Halle entlassen und sein Werk als „entartet“ verfemt. Mit seiner Frau und seinen fünf Kindern zieht er sich für die nächsten Jahre in sein Sommerhaus nach Niehagen / Ostsee zurück und lebt in einer Art „innerer Emigration“. 1943 fällt der älteste Sohn Herbert, das Berliner Atelier wird durch einen Bombentreffer vollständig zerstört.