Grafik

Es sind der Holzschnitt und später die Lithografie, mit denen sich Gerhard Marcks innerhalb der druckgrafischen Techniken besonders beschäftigt hat. Der Holzschnitt kam Marcks durch das Material und eine der Bildhauerei verwandte, strenger Konzeption unterliegende Ausführung entgegen. In einer spätexpressionistischen Formensprache schildern sie das ländliche Leben. Später, in den fünfziger Jahren, ist es die griechische Mythologie, welche ihn beschäftigt. Im Verlaufe der siebziger Jahre wandte er sich mehr und mehr der Lithografie zu, die es ihm erlaubte, mit Kreide auf entsprechend präparierte Steinplatten zu zeichnen. Mit weichen, beinahe malerischen Zügen entstehen Landschaftsausschnitte aus der Eifel, wo Marcks einen Großteil seiner letzten Lebensjahre verbrachte.


Thüringer Mutter, 1923

Gerhard Marcks entwickelte den Holzschnitt in der ersten Hälfte der zwanziger Jahre, als er in Dornburg die Töpferwerkstatt des Bauhauses leitete, zu großer Meisterschaft. Gut 120 Holzstöcke entstanden in dieser Zeit. Die Hinwendung zu dem grafischen Medium wurde durch die Kollegen am Bauhaus angeregt. Lyonel Feininger (1871-1956) unterwies ihn in der Technik. Marcks aber kam ebenso der handwerkliche Anspruch wie die Notwendigkeit einer strengen Bildorganisation entgegen. Zudem bildete der Holzschnitt ein Medium, dass sich in den von wirtschaftlicher Not geprägten Jahren nach dem Ersten Weltkrieg stets realisieren ließ. Es bedurfte dazu nur eines Bretts. Die Motive sind ähnlich wie die gleichzeitigen Zeichnungen von der ländlichen Umgebung Dornburgs geprägt. „Thüringer Mütter“ tauchen mehrmals in Skulpturen und auf Holzschnitten auf. Marcks faszinierte der für die Region typische Brauch, sich die Säuglinge in einem eng gewickelten Tuch vor den Oberkörper zu binden, um die Hände für die Feldarbeit frei zu haben.