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Marcks & Mathieu

Druckgrafik von Gerhard Marcks und Maria Mathieu

24. Januar bis 28. März 2016

Die Ausstellung „Marcks & Mathieu“ stellt Gerhard Marcks mit der 1948 geborenen Maria Mathieu (lebt in Sottrum, arbeitet in Bremen) eine zeitgenössische Künstlerin an die Seite, die neben abstrakten Zeichnungen, die figürliche Darstellung mittels Druckgrafik zum Mittelpunkt ihres künstlerischen Werks gemacht hat. Auf Einladung des Syker Vorwerks setzt sich die Künstlerin mit Gerhard Marcks' druckgrafischem Werk auseinander und arbeitet Parallelen zwischen ihren und seinen Arbeiten in einer großen Ausstellung in Syke heraus.

Öffnungszeiten: Mi 15 bis 19 Uhr, Sa 14 bis 18 Uhr, So/Feiertag 11 bis 18 Uhr
Syker Vorwerk – Zentrum für zeitgenössische Kunst, Waldstraße 76, 28857 Syke

Bernhard Hoetger und Gerhard Marcks

Eine Tradition - zwei Welten

04. Oktober bis 24. Januar 2016

Nach dem Krieg hat sich Gerhard Marcks (1889–1981) ganz direkt und vehement für den Erhalt des Bildhauernachlasses von Bernhard Hoetger (1874–1949) eingesetzt. Wohl wissend, dass er und Hoetger auch künstlerisch einer anderen Generation angehörten, war ihm die Stellung Hoetgers als führender Bildhauer zwischen 1910 und 1930 bewusst. Es galt daher, das künstlerische Werk seines Kollegen für die Nachwelt zu sichern. Die Ausstellung zeigt in Gegenüberstellung repräsentative Werke beider Bildhauer und differenziert damit das Bild von einer einheitlichen Tradition.

Eine Ausstellungskooperation mit den Museen Böttcherstraße
Öffnungszeiten: Di bis So 11 bis 18 Uhr
Böttcherstraße 6–10, 28195 Bremen


Liebfriede Bernstiel zum Hundertsten

Sieben Jahrzehnte Keramik

26. April bis 02. August 2015


Liebfriede Bernstiel (1915–1998) leistete einen wertvollen Beitrag zur künstlerischen Keramik nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie studierte in den 1930er-Jahren an der Staatlichen Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein, war von 1939 bis 1946 Mitarbeiterin von Otto Lindig in der Keramischen Werkstatt Dornburg/Saale und anschließend Assistentin von Gerhard Marcks an der Landeskunstschule Hamburg. 1955 machte sie sich mit einer eigenen Werk-statt selbstständig, in der Keramik entstand, die den Grundsätzen des Bau-hauses folgte.

Ein Abend zu Liebfriede Bernstiel findet am Freitag, dem 12. Juni, um 19 Uhr statt.


Christian Helwing:

Marcks und das Museum

26. April bis 02. August 2015



Es liegen Welten zwischen Gerhard Marcks (1889-1981) und Christian Helwing (geb. 1969). Der eine steht für klassische, figürliche Bildhauerei, der andere für raumbezogene Konzeptkunst. Helwing, der an der Hochschule für Künste Bremen studierte, Meisterschüler von Yuji Takeoka war und heute in Riga lebt, befasst sich in seiner Kunst mit der Interaktion zwischen Objekt, Architektur und der Rolle des sich bewegenden Betrachters im Raum. Umfassende Raumskulpturen werden in seiner Ausstellung im Gerhard-Marcks-Haus die einzelnen Räume besetzen, gliedern und strukturieren. Die Werke von Gerhard Marcks wie zum Beispiel zwei dutzende Porträtbüsten oder lebensgroße Terracottafiguren werden Teil der eigenen Arbeit Helwings. Seine minimalistisch anmutenden plastischen Einbauten sind in der Lage, unverwechselbare wie prägnante Raumsituationen entstehen zu lassen.

Christian Helwings Werke bewegen sich zwischen Bildhauerei und Architektur. Seine Ausstellung ist das sichtbare und körperlich erfahrbare Ergebnis einer Recherche, die er über zwei Jahre im Museum machte. In dieser Zeit setzte sich der Künstler intensiv mit den architektur-, aber auch den sozialhistorischen Bedingungen des Museums auseinander sowie mit dem bildhauerischen Werk von Gerhard Marcks.


Rachel Kohn

zwischenzeitlich

07. Mai bis 02. August 2015

Die Bildhauerin Rachel Kohn (geb. 1962) geht bei ihren keramischen Skulpturen stets von einer konkreten Fragestellung aus, die sich aus ihrer eigenen Biografie, aus ihrer unmittelbaren persönlichen Erfahrung, oder aus mit intensiven Emotionen besetzten Momenten herleitet. Diese Reflexionen übersetzt sie in eine universelle, allgemeingültige Formensprache. Geboren in Prag, studierte sie an der Akademie der Bildenden Künste in München, verbrachte ein Austauschsemester an der Bezalel-Academy of Art in Jerusalem und lebt seit 1993 in Berlin.


Rolf Blume

(the) Finder

05. Februar bis 26. April 2015

Rolf Blume (geb. 1954) kreiert komplexe, mitunter raumgreifende Assemblagen. Sie evozieren Fremdheit und Vertrautheit zugleich. Seine großen Pfeilkörper (die ‚Finder’) sind abstrakt-figurale Konstruktionen unbekannter Bestimmung, aufwendig montiert aus vertrauten industriellen Massenprodukten oder deren Fragmenten. Die eigens für den Pavillon entstehende Installation zeigt erstmals einen neuen ‚Finder’, sphärisch im Raum gebunden und verortet durch einen schwebenden weißen Ring.

Der Hannoveraner Künstler arbeitet mit und an der Geschichte der Dinge und hinterfragt die ihnen scheinbar unumstößlich eingeschriebene Zweckgebundenheit. Blume schafft dabei raumgreifende Installationen aus Alltagsmaterialien, insbesondere aus industriell hergestellten Massenartikeln darunter Verpackungen, Gefäße, Telefonbücher oder Kabelbinder. Blume nimmt sich der Bedeutung der Dinge an, indem er sie nicht auf ihre primäre Funktion als Cremedose, Nachschlagewerk oder Schutzhülle hin befragt, sondern ihren Gehalt zweiter Ordnung in den Fokus nimmt. Hier greift die Kunstauffassung Blumes, den „verborgenen ästhetischen Mehrwert“ alltäglicher Dinge aufzuspüren sowie das Sinn-Potential einer Form freizusetzten, welches sich erst dann entfaltet, wenn der Gegenstand aus seinem einstigen Kontext gelöst und in einen neuen Zusammenhang gesetzt wird. Unter diesen Vorgaben schafft Rolf Blume Artefakte, indem er komplexe raumgreifende Strukturen aus einfachsten Wegwerfartikeln arrangiert, um sie zu einprägsamen visuellen Bildern zu verdichten: Bilder, deren Formen nicht nur aus konstruktiver Sicht beeindrucken, sondern die darüber hinaus die Offenheit der Dinge visualisieren und neue Inhalte generieren.


Figur tut weh. Positionen um Wieland Försters Große Neeberger Figur

18. Januar bis 12. April 2015



Kann in einer Diktatur ein Meisterwerk entstehen? Die „Große Neeberger Figur“ – ein Hauptwerk der europäischen Kunst – die der 1930 in Dresden geborene Bildhauer Wieland Förster Anfang der 1970er-Jahre schuf, ist eine Ikone der Bildhauerei der DDR und steht im Zentrum der Ausstellung. Gezeigt wird keine monografische Retrospektive, sondern ein kaleidoskopisches Bild um die Frage nach der Darstellung des Menschen in der Kunst um 1970. Es werden dabei Positionen aus Ost und West zu Themen wie abstrahierte Figur, Schmerz, Entkleidung und Realismus gezeigt.

Die „Große Neeberger Figur“ erinnert zwar in ihrer Struktur an einen menschlichen Körper, aber sie ist zuallererst eine plastische Konstruktion. Sie stellt weder dar, wie die Natur ist, noch wie diese sein müsste. Sie zeigt weder Ideal, Realität noch Utopie, sondern markiert figürliche Bildhauerei als einen autonomen Bereich. Damit schlug der Bildhauer Förster einen bemerkenswerten Bogen zwischen Ideen über den Realismus und Entwicklungen in der westeuropäischen Bildhauerei.


Große Neeberger Figur, 1971-1974
Bronze
VG Bild-Kunst, Bonn 2015


Waldemar Grzimek

Aus der Sammlung

18. Januar bis 12. April 2015

Waldemar Grzimek (1918–1984) gehört zu den wichtigsten Bildhauern des 20. Jahrhunderts, die sich in ihrem Schaffen konsequent mit der Figur auseinandergesetzt haben. Seit den 1960er-Jahren beschäftigte er sich nicht mehr nur mit der Konstruktion der Figur, sondern legte sein Augenmerk auf die Darstellung von Gefühlswerten und einer inneren Verfasstheit.

Die Ausstellung zeigt einige Arbeiten Waldemar Grzimeks aus der Sammlung der Gerhard-Marcks-Stiftung. Sie entstanden in den Jahren 1962 bis 1980 und bewegen sich damit auch im Zeitraum der im Erdgeschoss gezeigten Exponate. Waldemar Grzimek verstand sich vor allen Dingen als Berliner und mochte sich mit der deutschen Teilung und ihren politischen Konsequenzen nicht abfinden. Wie kein anderer gelang es ihm, die Grenzen der beiden deutschen Staaten zu überwinden und auf beiden Seiten der Mauer offizielle Anerkennung zu finden: So richtete ihm die Kunsthalle Bremen 1974 eine große monografische Ausstellung mit den neuesten Arbeiten aus und 1977 vollendete er das Bronzeportal für das Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg, der damaligen »Nationalen Sammlung der Kleinplastik der DDR«.

Als Schüler von Wilhelm Gerstel (1879–1963) blieb Grzimek zeitlebens der Figur verbunden. Damit entsprach er den Vorgaben der ostdeutschen Kulturpolitik. Aber auch in Westdeutschland eroberte sich die figürliche Bildhauerei seit der Mitte der 1960er-Jahre unter dem Einfluss der Pop Art Terrain zurück. »Und, dass ich’s Ihnen mitteilen muss: man darf wieder gegenständlich! Parole kommt aus New York«, schrieb Gerhard Marcks (1889–1981) 1967 ironisch an Grzimek.

Figur tut weh

Wieland Försters Große Neeberger Figur

18. Januar bis 12. April 2015

Kann in einer Diktatur ein Meisterwerk entstehen? Die Große Neeberger Figur – ein Hauptwerk der europäischen Kunst – die der 1930 in Dresden geborene Bildhauer Wieland Förster Anfang der Siebzigerjahre schuf, ist eine Ikone der Bildhauerei der DDR. Das Gerhard-Marcks-Haus konfrontiert in einer sogenannten Ein-Bild-Ausstellung Försters Figur mit Bildhauerpositionen ausOst und West. In vier Räumen wird um Themen wie abstrahierteFigur, Entkleidung, Realismus und Schmerz das kunsthistorische Umfeld gezeigt, aus dem die Figur ihre Brisanz holt. Die Skulptur erinnert zwar in ihrer Struktur an einen menschlichen Körper, aber sie ist zuallererst eine plastische Konstruktion. Damit schlug Förster einen bemerkenswerten Bogen zwischen Ideen über den Realismus und Entwicklungen in der westeuropäischen Bildhauerei. Um die Große Neeberger Figur wird auf diese Weise einkaleidoskopisches Bild um die Frage nach der Darstellung desMenschen in der Kunst um 1970 entwickelt.

Burchhard Garlichs

26. November bis 25. Januar 2015

Burchhard Garlichs (geb. 1969) ist ein Künstler mit den Schwerpunkten Installation, Medien-, Objekt- und Konzeptkunst im städtischen Raum. Der Oldenburger versteht seine Arbeit als Untersuchung einfachster geometrischer Formen im urbanen Umfeld. Er sieht die Welt als das Bühnenbild der Mathematik – Parallelen, Rechtecke und Wiederholungen bestimmen die Sicht. Das Ziel ist nicht das Resultat, sondern die Untersuchung der eigenen Beobachtung.


Burchhard Garlichs

26. November bis 25. Januar 2015

Burchhard Garlichs (geb. 1969) ist ein Künstler mit den Schwerpunkten Installation, Medien-, Objekt- und Konzeptkunst im städtischen Raum. Der gebürtige Oldenburger untersucht in seiner künstlerischen Arbeit immer wieder die Wahrnehmung des Linearen im urbanen Umfeld. Zufall und Geometrie bestimmen seine projezierten Bilder im Pavillon des Gerhard-Marcks-Hauses. Zeitgleich zeigt der Künstler in der Treppenrotunde der Galerie Herold im Künstlerhaus Güterbahnhof eine wandfüllende Raumarbeit im Grenzbereich zwischen Zeichnung und Installation.

Foto:
Burchhard Garlichs, O.T., Diacollage, 2014


Nach der Natur.Strategien der Natur in der zeitgenössischen Bildhauerei

21. September bis 04. Januar 2015



Die Ausstellung »Nach der Natur« zeigt einen besonderen Aspekt der Auseinandersetzung mit Natur. Sie geht dabei der Frage nach, wie sich Bildhauer Natur zunutze machen, welche Strategien der Natur entlehnt werden und in den künstlerischen Prozess einfließen?

Die Finnin Anne Koskinen (geb. 1969) geht von einer maximalen Naturnähe aus, wie sie die Bildhauerei durch das bewusste Einbeziehen des Naturabgusses sucht. Ihre Arbeiten stellen auf eindringliche Weise die Frage nach der Präsenz der im Abguss eigentlich doch nicht mehr vorhandenen Natur. Dem Versuch, das in der Natur vorhandene Wachsen und Vergehen, kurz das Prozessuale, in das statische Medium der Skulptur zu überführen, widmet sich Reiner Maria Matysik (geb. 1967). Der in Braunschweig am „Institut für biologische Plastik“ lehrende Künstler entwickelt biomorphe Skulpturen, die die Frage nach einer von Menschenhand gelenkten Evolution aufwerfen. Daran schließt direkt die Gruppe der Verfremdung sowie die der Abstraktion an. Hybride, Chimären, Mischformen zwischen Natur und Kunst finden sich im Werk des Düsseldorfers Martin Schwenk (geb. 1960), während das Künstlerduo Thomas & Renée Rapedius (geb. 1973 und 1975) in der Natur vorhandene Formen herauslöst und abstrahiert. Das bildhauerische Konzept der beiden in Berlin arbeitenden Künstler lässt sich als ein Herausarbeiten von Ähnlichkeiten und Differenzen beschreiben, als ein Herantasten an archetypische (Natur)Formen und einer damit verbundenen Suche nach plastischen Urformen.


Bildunterschrift oben: Reiner Maria Matysik, Cloud and child, 2014, Kunststoff, Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn 2014


Beitrag im Nordwestradio von Inken Steen


Gerhard Marcks und der Erste Weltkrieg

21. September bis 04. Januar 2015

Gerhard Marcks (1889–1981) hat drei Monate an den Kampfhandlungen des Ersten Weltkriegs teilgenommen. Die getroffene Entscheidung, die gesehenen Gräuel bildnerisch nicht umzusetzen, prägte die kommenden Jahre. Er fertigte kleinformatige Bleistiftskizzen an, die Reiterdarstellungen aus der Kompanie zeigen. Außerdem setzte er sich mit der Volkskunst und der Wiedergabe von Blumen auseinander. Die Ausstellung präsentiert eine kleine Auswahl dieser Werke.

Im Sommer 2014 jährte sich der Ausbruch des Ersten Weltkriegs zum einhundertsten Mal. Die Publikation "Bildhauer sehen den Ersten Weltkrieg" erzählt nicht nur die Rolle des Ersten Weltkriegs für die Entwicklung der deutschen Kunst. Es geht um erfolgreiche deutsche Bildhauer, deren Erfahrungen künstlerisch umgesetzt in die Öffentlichkeit drangen. Wie für viele, so waren die Jahre von 1914 bis 1918 auch für Gerhard Marcks (1889-1981) eine außergewöhnliche Zeit. Sie warfen den 25-Jährigen, der sich soeben in der Kunstszene einen Namen gemacht hatte, aus der Bahn, verdichten sich aber im Rückblick zu einer Phase konzentrierter Auseinandersetzung, in der der Bildhauer eine Neuorientierung gelang. Die Kriegerlebnisse als solche spielen im plastischen Werk von Marcks kaum ein Rolle.

"Bildhauer sehen den Ersten Weltkrieg": Eine Publikation der Arbeitsgemeinschaft Bildhauermuseen und Skulpturensammlungen e. V, Als Herausgeberinnen zeichnen Ursel Berger, Gudula Mayr und Veronika Wiegartz, Kustodin am Gerhard-Marcks-Haus

Die 2005 gegründete Arbeitsgemeinschaft Bildhauermuseen und Skulpturensammlungen e. V. verbindet seitdem 37 auf Bildhauerei spezialisierte Museen in Deutschland. Schwerpunkte der Zusammenarbeit sind Ausstellungskooperationen, ein offener Informationsaustausch und gemeinsame wissenschaftliche Projekte.


Gerhard Marcks: Kastalia

15. Juni bis 07. September 2014

Quellnymphe für Anfänger und Fortgeschrittene: Kastalia

2002 gelang es dem Gerhard-Marcks-Haus eines der Hauptwerke von seinem Namenspatron zu erwerben. Die 1932 entstandene Marmorskulptur „Kastalia“ konnte mithilfe der Kulturstiftung der Länder, einigen privaten Spendern und dem Freundeskreis des Museums angekauft werden. Damit endete eine lange Odyssee. Das Werk war in den frühen 1930er-Jahren in die USA verkauft worden, als man dort Marcks als wichtigen jungen Bildhauer betrachtete. Während ein Großteil des Frühwerks von Gerhard Marcks während des Zweiten Weltkriegs durch Beschlagnahmung oder Vernichtung verloren ging, blieb die Kastalia durch den Verkauf ins Ausland erhalten. Als die Galerie Flechtheim in Berlin 1932 eine Einzelausstellung des Bildhauers präsentierte, stand „Kastalia“ im Zentrum des Interesses. Die Skulptur war modern und hatte aufgrund seines Titels gleichzeitig einen deutlichen Antikenbezug. Das erschien den Zeitgenossen widersprüchlich. Dabei stellt sich die grundsätzliche Frage, was der Titel (Kastalia war eine Quellnymphe) für die Skulptur bedeutet. Damalige und heutige Betrachter nehmen meistens den Titel zum Ausgangspunkt für die Wahrnehmung. Es könnte aber sein, dass die Intention des Bildhauers eine ganz andere war. Das führt im nächsten Schritt dann sehr grundsätzlich zu der Frage nach der Frage, was ein Museum vermitteln muss, wenn es „Kastalia“ zeigt.

Seit dem Ankauf wurde intensiv zur Geschichte der Kastalia geforscht und die Ergebnisse werden in eine Ausstellung münden und in einer Publikation präsentiert. Erste Zwischenergebnisse und Ideen: Kastalia


Sabine Krusche

Zellkraftwerk - keramische Objektgruppe

09. Juli bis 07. September 2014

Sabine Krusches (geb. 1962) keramische Objekte scheinen einem Modell zu folgen. Es sind auf ihre jeweilige Urform reduzierte, oft gefäßartige Körper in klaren Farben. Ihre Gestalt ist schlicht, das Kollektiv ihre Identität. Krusche nutzt die Kraft von glatter Fläche und tiefer Furche, spielt mit Licht und Schatten. Vermeintlich geschlossene Körper, in denen die Spannung bis zum Äußersten vorangetrieben wird, stehen neben raumdurchlässigen, alle Materialität leugnenden Formationen.


Foto: Sabine Krusche, Zellkraftwerk, glasierte Keramik, 2014


Gerhart Schreiter

Gestalter des Alltags/Sculptor of everyday life

15. Juni bis 07. September 2014




Gerhart Schreiter (1909–1974) liebte das Fahrrad. Er hielt es für „eine der schönsten Erfindungen unserer Zeit, – ein Freund für tausend Situationen“. Dieses Bekenntnis steht symbolhaft für das gesamte Schaffen des Künstlers, denn er gilt als ein Bildhauer von Kleinplastiken, dessen Figuren der „Welt aller Tage“ entstammen. Seine Arbeiten spiegeln anektodenhaft beobachtete Szenen des täglichen Miteinanders wider. Unter dem Einfluss englischer Kollegen öffnete er sich um 1950 einem gemäßigtem Modernismus. Volumen, Raum und später auch die strukturelle Auflösung der Oberfläche gehörten zu seinen bildhauerischen Kernfragen.

Gleichzeitig verstand er seine künstlerische Tätigkeit als Dienst an der Gesellschaft, der sich in zahlreichen öffentlichen Aufträgen niederschlug. Mit seiner Kunst im öffentlichen Raum hat er das Gesicht Bremens in den 1950er- und 1960er- Jahren stark geprägt. Dabei blieb er der Figur treu, entwickelte aber für diesen Bereich durchaus abstrakte Lösungen. Rund um den Marktplatz finden sich seine Werke, aber auch Kirchenausstattungen hat Schreiter in Bremen und umzu geschaffen.

Er begann seine künstlerische Karriere in Berlin, bevor er 1956 nach Bremen zog, um den bis 1973 einzigen Lehrauftrag für Bildhauerei an der Staatlichen Kunstschule zu übernehmen. 2007 erhielt die Gerhard-Marcks-Stiftung seinen Nachlass. Sein 40. Todestag gibt Anlass, in einer Überblicksausstellung mit ca. 80 Exponaten erneut auf ihn aufmerksam zu machen. Ergänzend zur Ausstellung erscheint ein Werkverzeichnis zum Preis von 27,- Euro.


Marcks befragen: Hinrich Brockmöller

15. Juni bis 07. September 2014

Hinrich Brockmöllers (geb. 1984) Arbeiten suchen die Auseinandersetzung mit der kunsthistorischen Tradition. Seine stark plastischen Büsten changieren zwischen Barock und Science Fiction und dokumentieren einen radikalen Ansatz, sich alter bildhauerischer Reproduktionstechniken zu bedienen. Gründe genug, um ihn zu einer Auseinandersetzung mit dem künstlerischen Schaffen von Gerhard Marcks zu befragen.

Hinrich Brockmöller, Büste XXIII, 2013, Aluminium, Acryl


Annegret Maria Kon

Flüchtig

09. April bis 22. Juni 2014

Für Annegret Kon (geb. 1978) sind es seit vielen Jahren Menschen in alltäglichen Situationen, die ihre Aufmerksamkeit anziehen. Sowohl die Idee, als auch das Material für ihre Figuren stammen von der Straße. Die aus Skizzen entwickelten leicht unterlebensgroßen Figuren geben dem Betrachter den Blick zurück – samt der Frage nach unserer Befindlichkeit und unserer Stellung in der Welt.

Charles Despiau

Sculpteur mal aimé/ungeliebter Bildhauer

09. Februar bis 01. Juni 2014

Charles Despiau (1874–1946) gilt als der wichtigste französische figürliche Bildhauer neben Aristide Maillol (1861–1944). Beide Künstler wurden als Extreme beschrieben: Maillol als Darsteller der klassischen Ruhe und Despiau als Gestalter der Anspannung und Komplexität des modernen Daseins. Despiaus Figuren und Porträts sind ein Statement zu den grundlegenden Fragestellungen der Bildhauerei des 20. Jahrhunderts: Volumen, Richtung und Raum. Gezeigt werden 45 Skulpturen und 20 Zeichnungen, zusammengetragen aus französischen, niederländischen und deutschen Sammlungen.

Eine Kooperation des Gerhard-Marcks-Hauses und dem Museum Beelden aan Zee, Den Haag


George Minne

Ein Anfang der Moderne

13. Oktober bis 26. Januar 2014



George Minne (1866–1941) gilt als der Entdecker des Ausdrucks und zählt zu den einflussreichsten Bildhauern des Fin de Siècle, jener Zeit, die gleichzeitig geprägt war von Aufbruchsstimmung, Weltschmerz und Dekadenz. Minnes Kunst spielt für den aufkommenden Expressionismus eine entscheidende Rolle, weil seine Formensprache eine überzeugende Alternative zum vorherrschenden Naturalismus bot. Das Gerhard-Marcks-Haus widmet dem belgischen Künstler nach mehr als 50 Jahren nun eine umfassende Einzelausstellung in Deutschland.

Im Zentrum der Bremer Schau steht die menschliche Gestalt als Ausdrucksträger.Zu sehen sind nicht nur Minnes knabenhafte, zarte Jünglingsfiguren, die Schmerz, Einsamkeit und Trauer ausstrahlen. Eine Neuentdeckung sind die Mutter-Kind-Skulpturen aus seinen letzten Schaffensjahren. Erstmalig thematisiert eine Ausstellung seinen radikalen stilistischen Wandel, mit dem sich Minne konsequent dem Streben nach einer monumentalen Ausdrucksform anschloss.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Museum Beelden aan Zee

Für die großzügige Unterstützung von Ausstellung und Katalog danken wir der Karin und Uwe Hollweg Stiftung, Bremen, der WFB Wirtschaftsföderung Bremen GmbH und dem Freundeskreis des Gerhard-Marcks-Hauses e. V.


Beitrag von Radio Bremen


Jünglinge, Kuroi & Co.

Männergestalten bei Gerhard Marcks

16. Oktober bis 12. Januar 2014

Obwohl Gerhard Marcks (1889–1981) weibliche Modelle bevorzugte, durchzieht sein Œuvre durch alle Jahrzehnte hindurch auch die männliche Figur. Oft handelt es sich dabei um Schlüsselwerke. So ist der »Stehende Mann« (1910) die erste menschliche Figur überhaupt, die Marcks schuf: nach dem Modell seines Ateliergenossen Richard Scheibe (1879–1964) und in Anlehnung an die Figur des berühmten »Radfahrers« (1907/08) von Aristide Maillol (1861–1944).

Als sich Marcks 1935 im Rahmen eines Stipendiums an der Villa Massimo in Rom aufhielt, beobachtete er mit Schrecken das neue Figurenideal des Faschismus mit seinen sportlichen, muskulösen Männern. Er distanzierte sich davon, indem er sich bewusst Modelle suchte, die diesen Erwartungen nicht entsprachen. Es entstand eine Reihe von Zeichnungen nach einem androgynen Jüngling, die ein Jahr später als Vorlagen für die zarte Figur des »Johannes« (1936) dienten.

Die Figur »Ver Sacrum« (1943) ist wiederum dem Gedenken an den 1943 im Krieg gefallenen, ältesten Sohn Herbert gewidmet. Ver sacrum (Frühlingsweihe) beschreibt den archaischen Brauch, in Notzeiten den Göttern Mars und Jupiter die Erstlinge eines Frühlings (Früchte, Tiere, Kinder) zu opfern. Marcks, der sich für sein Schaffen maßgeblich von der Archaik (ca. 700 bis 500 v. Chr.) beeinflusst sah, schuf die Gestalt im strengen Standmotiv der Kuroi – der Statuen junger Männer, die die ersten großplastischen Erzeugnisse Griechenlands bilden. Seit seiner ersten Reise nach Griechenland im Jahr 1928 bezeichnete er sich als »unbedingten Griechenlandverehrer (bis 450 v. Chr.)«.

Die Griechenlandreise markiert gleichzeitig auch eine allgemeine Hinwendung zur griechischen Mythologie als Themenreservoir seiner Figuren. Die Statuetten »Narziss« (1942), »Bacchus« (1942) und »Tantalus« (1944) sind solche Beispiele.

Die Berliner Bildhauertradition kennt anders als die überwiegende europäische Tradition für die Plastik ein Zwischenformat, die sogenannte »Affengröße«. Mit ungefähr ein Meter Höhe liegt sie zwischen kleinplastischer Statuette und lebensgroßer Figur. »Johannes«, »Grimoald« und »Ver Sacrum« gehören diesem Typus an.


Roman Johann Strobl

Die Solistin

07. August bis 06. Oktober 2013

Roman Johann Strobl (geb. 1951) kreiert fragile, expressive Holzskulpturen. Er arbeitet sowohl mit der Kettensäge als auch mit den traditionellen Werkzeugen der Bildhauerei. Aufgrund ihrer Gestik und Haltung erinnern sie an Tänzer, die über den Boden zu schweben scheinen. Die Solistin, eigens für den Pavillon geschaffen, verharrt in ontologischer Meditation. Sie fragt mit ihrer dichten Beweglichkeit nach dem Sein des Einzelnen in diesem Moment.

Bei Strobl dreht sich augenblicklich alles um die von ihm geschaffenen „Seins-Tänzer“. Der in Kitzbühel geborene Bildhauer und Maler stellt vom 7. August bis 6. Oktober im Pavillon des Gerhard-Marcks-Hauses seine anderthalb Meter große Holzskulptur „Die Solistin“ aus. Sie scheint in wilder Bewegtheit innezuhalten, sich ihrer „Solitudine“, ihrem Alleinsein, ihres Bei-sich-Seins sehr bewusst. „Die Bewegung ist ein starkes Element in meiner Arbeit“, sagt der in Hannover lebende Künstler, der in Tirol bei seinem Vater die Holzschnitzerei lernte. So tanzen die von ihm geschaffenen Figuren, die manchmal geradezu auf Zehenspitzen zu schweben scheinen, allein durch ihre Existenz, ihr Sein. Der Künstler hat sich vor allem mit seinen ebenso expressiven wie filigranen und heiter-dynamischen Holzskulpturen einen Namen gemacht. Sein Oeuvre umfasst neben Skulpturen aus Holz, Marmor und Stein auch ausdrucksstarke Bilderzyklen auf Leinwand sowie Zeichnungen. In der Reihe „Alpha heads“ schuf er eine Reihe von Kettensägen-Porträts von Gerhard Schröder, Otto Schily und Franz Beckenbauer.


Michelangelo schultern

Last, Kraft, Bild in Skulptur und Fotografie

16. Juni bis 29. September 2013



Zwei Bildhauer, die in Marmor arbeiten, Dietrich Heller (geb. 1965) und Athar Jaber (geb. 1982) sowie die Fotografin und Videokünstlerin Emma Critchley (geb.1980), die das Medium Wasser nutzt, bilden die Versuchsanordnung der Ausstellung „Michelangelo schultern“. Alle drei Künstler stellen die Wahrnehmung des menschlichen Körpers und das Aufscheinen der Figur aus einer räumlichen Masse ins Zentrum ihrer Arbeit – und kommen dabei zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen.

Ein verbindender Faktor ist der große materielle Aufwand, den die drei Künstler leisten, der beim Material Marmor offensichtlich, jedoch auch bei der Fotografie sichtbar wird. Sehen die Betrachter nur Bilder und Konzepte oder nehmen sie auch diese Entstehungsbedingungen wahr? Damit stellen die drei die grundsätzliche Frage nach der Beziehung zwischen Aufwand und Wirkung. Vor allem die britische Künstlerin Emma Critchley betreibt eine eigentümlich aufwendige Form der Medienkunst: Sie benutzt Reflexionen im Wasser. Die Fotografien und das Video, die sie mit einer analogen Unter- kamera und extrem langen Belichtungszeiten von Apnoe-Tauchern gemacht hat, wirken, als ob Skulpturen aus den Weiten des Wassers auftauchen würden.

Birgit Cauer

Industria Animabilis

26. Mai bis 28. Juli 2013

Stein ist für die Berliner Bildhauerin komprimierte Energie. Im und um den Pavillon entsteht ein organischer Kreislauf zwischen Innen und Außen, Natur und Künstlichkeit, Chaos und Ordnung, Vergänglichkeit und Dauer, Unvorhersehbarkeit und Planbarkeit. In einem lebendigen System von Pflanzen, Wasser, Plastikschläuchen und Sonnenenergie beginnen die Steine zu leuchten.


Marcks befragen

Clarissa Dietrich und Gunther Gerlach

03. März bis 02. Juni 2013

Die Bildhauer Clarissa Dietrich (geb. 1977) und Gunther Gerlach (geb. 1952) eröffnen die Ausstellungsreihe »Marcks befragen«. Beide Künstler wählen ihre persönlichen Schlüsselwerke von Gerhard Marcks (1889–1981), befragen sie nach ihrer heutigen Relevanz und setzen diese in Beziehung zu ihrer eigenen künstlerischen Position.

Gunther Gerlach ist besonders fasziniert von dem Mann mit den expressiv ausgebreiteten Armen, den Gerhard Marcks 1962 schuf. Gerlach selbst arbeitet in abstrakter Figürlichkeit und nicht in naturalistischer Manier wie Marcks. Für den Bremer Künstler besteht das Geheimnis der skulpturalen Kunst im Öffnen und Schließen einer Figurenform. Clarissa Dietrich zeigt sich besonders angetan von den Porträts von Marcks, denn meistens findet man spannend, was einen auch in der eigenen Arbeit umtreibt.


Eveline van Duyl - Denkinseln

"es darf gedacht werden"

03. März bis 02. Juni 2013



Die niederländische Bildhauerin Eveline van Duyl (geb. 1957) hat Kants Maxime: »Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen« in ihren Philosophenporträts spielerisch umgesetzt. 22 Philosophenporträts quer durch alle Jahrhunderte und Geisteshaltungen zeigt das Gerhard-Marcks-Haus ab dem 3. März. Es sind keine traditionellen Marmorbüsten, sondern riesige bunte Köpfe aus höchst unterschiedlichen Materialien, jeweils montiert auf Bügelbrettern. Die Präsentation legt Pfade durch Denk- und Gesellschaftsmodelle, regt den Besucher an, durch die Philosophiegeschichte zu wandeln oder sich frei dem Impuls der sinnlich ansprechenden Bildwerke folgend den Porträts zu widmen. Ausgestellt werden u.a. Sokrates, Nietzsche, Voltaire, Schopenhauer, Sartre, Hegel, Arendt, van Zuylen.Und warum Bügelbretter? Eveline van Duyl hat in einem Interview darauf hingewiesen, dass Fragenstellen wie Bügeln ist: Man muss es immer wieder tun!

Mit einem umfangreichen Begleitprogramm in Zusammenarbeit mit der Universität Bremen, der Philosophischen Gesellschaft in Bremen, dem Landesinstitut für Schule, Kultur vor Ort e. V. und dem Theater Bremen verbindet die Ausstellung die unterschiedlichen in Bremen vorhandenen »Denkinseln«.

Das gesamte Begleitprogramm finden Sie unter Aktuelles und unter
www.denkinseln.de

Zwei Videofilme zur Ausstellung:
www.radiobremen.de

www.weser-kurier.de


Sabine Schellhorn

Siegel für den Pavillon

06. Februar bis 12. Mai 2013

Unter dem Motto »Siegel für Orte – Orte für Siegel« entwickelt Sabine Schellhorn Siegelreihen. Es sind Gefüge aus geometrischen Einzelteilen, die durch Aneinanderreihung oder Schichtung wieder neue Ordnungen entstehen lassen. Im Pavillon greift die Künstlerin die Fensterflächen und -rahmungen als Rohmaterial auf und entwickelt daraus eine raumgreifende Installation.

In zentraler Raummitte ist ein filigranes Papierobjekt abgehängt, welches von einem sich flächig über den Boden und die Wände ziehenden Lichtmuster kontrastiert wird. Das Lichtobjekt ist klar erkennbar aus Einzelteilen symmetrisch zusammengesetzt; das Papierobjekt löst hingegen seine strukturelle Komplexität erst in der räumlichen Wahrnehmung. Dicht hintereinander sind fünf freiplastische Ornamente formiert, die sich vorne zu einer einzigen Siegel-Schichtung verdichten. In den auf den ersten Blick ausschließlich kontrastiv aufgebauten Objekten, in denen Sabine Schellhorn eine flächige Formgebung mit einer linearen Umrissstruktur konfrontiert, die Klarheit der Großform gegen die Komplexität der Gesamtform stellt, werden im unmittelbaren Vergleich vor allem aber gleiche und ähnliche Einzelformen sichtbar.


Gerhard Marcks in Niehagen

Sehnsucht nach den Kranichen

11. November bis 17. Februar 2013

Seit dem Kauf eines Büdnerhauses in Niehagen, 1929, zog es Gerhard Marcks (1889–1981) immer wieder an die Ostsee. Nach der Zerstörung seines Berliner Ateliers wurde das Feriendomizil zum ständigen Wohnsitz der Familie und Arbeitsmittelpunkt von Marcks, der sich dort, fernab des offiziellen Kunstbetriebs, in die innere Emigration zurückzog.

Zahlreiche kleinformatige Architektur- und Ostseezeichnungen dokumentieren sein Interesse an den Phänomen des Raumes. In seinen plastischen Arbeiten taucht in diesen Jahren wiederholt das Bild des wachsamen Kranichs auf. Die grazilen Tiere, deren Darstellungstradition bis in die ägyptische Kunst zurückreicht, können als Sinnbild für das ihm von den Nationalsozialisten angedrohte Arbeitsverbot gelesen werden.

Die Ausstellung trägt Landschaftstudien und eindringliche plastische Arbeiten aus dieser Zeit zusammen, darunter die in sich gekehrten Darstellungen „Eos“ und „Sitzende Gewandfigur“ aus dem Jahr 1934 sowie die Plastik „Ausschauender Fischer“, für die ihm sein ebenfalls in Niehagen ansässiger Malerkollege Alfred Partikel Modell stand.

Die neu erschienene, gleichnamige Monografie des Rostocker Journalisten Detlef Hamer beleuchtet eindringlich Marcks Niehagener Zeit. Das Buch ist u. a. in einer handgebundenen Edition mit einem Originalabzug von Gerhard Marcks „Kahnfischer“ aus dem Jahr 1944 erhältlich.


Elmar Trenkwalder

Ornament und Obsession

28. Oktober bis 17. Februar 2013



Das Gerhard-Marcks-Haus zeigt die erste Ausstellung Elmar Trenkwalders (geb. 1959) in Deutschland. Abseits jeglicher Moden nehmen seine Arbeiten eine unverwechselbare Position in der Gegenwarts- kunst ein. Trenkwalder schafft monumentale Keramikplastiken, die mit ihrer Größe ganze Räume füllen. In den barocken, eigenwilligen und mehrdeutig schillernden Gebilden mischen sich Fantasien und Tagträume ebenso wie Impulse aus der Vergangenheit und Elemente fremder und vergangener Kulturen. Es beeindruckt sein ausgeprägter Sinn für architektonische Konstruktionen, landschaftliche Konzeptionen und fragile Details.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Kunstmuseum Thurgau, Warth (CH), der Kunsthalle Krems (A) und dem MUba Eugène Leroy, Tourcoing (F).

Für die großzügige Unterstützung von Ausstellung und Katalog danken wir der Karin und Uwe Hollweg Stiftung und dem Freundeskreis des Gerhard-Marcks-Hauses e. V. Erschienen ist ein Katalog im Kölner Snoeck-Verlag mit sechs Aufsätzen und einem Interview des Künstlers zum Preis von 34,- Euro (im Gerhard-Marcks-Haus), 39, 90 Euro (im Buchhandel).

Hinweis: Beitrag Radio Bremen TV, buten & binnen, 23. Oktober 2012:
www.radiobremen.de


Werner Schlegel

Skulptur und Zeichnung

07. November bis 27. Januar 2013

Das Gerhard-Marcks-Haus präsentiert im Pavillon das vielschichtige Wechselspiel von Skulptur, Malerei und Zeichnung im Œuvre des Bildhauers und Zeichners Werner Schlegel (geb. 1953 in Greiz/Thüringen). Der Künstler arbeitet mit dem organischen Material Holz, bezieht dessen natürliche Prozesse in sein Werk ein und verwandelt die Eigenästhetik des Holzes in autonome Kunstformen - die Sublimation seines künstlerischen Vokabulars ist dabei ein andauernder Prozess.

Aus der Malerei kommend, entdeckte Schlegel Anfang der 90er-Jahre die Holz-Bildhauerei für sich. Mit Acryl, Ölfarbe, Ölkreide und Grafit malt und zeichnet er nicht nur auf großformatigen Holzflächen, sondern ebenso auf massiven Holzkörpern. Elementare geometrische Skulpturen stehen oder liegen einzeln oder gruppiert als Stele, Quader - oftmals in größeren Installationen im Raum. Die Oberflächen der Holzskulpturen weisen Unebenheiten, natürliche Risse keilförmige Spalten sowie grobe Spuren der Bearbeitung mit der Kettensäge und dem Beitel auf.

Ganz offensichtlich leben seine Arbeiten aus der Konfrontation der Materialien, der Farbe und der unterschiedlichen Formensprache. Das angestrebte Maß ist das Minimum an Form, um das Maximum an Präzision und Aussagekraft zu erreichen.


Ina Raschke

"Ich kann mich nicht erinnern, wie Natur aussieht"

05. September bis 04. November 2012

Ina Raschke (geb. 1982) erkundet in ihren Zeichnungen, Installationen und Objekten das Spannungsfeld zwischen Natur und Kunst bzw. Künstlichkeit sowie oftmals das zugrunde liegende Medium selbst. Ina Raschke entwickelt aus Zeichnungen heraus absurde Naturvorstellungen, die in ihre Installationen einfließen. So macht sie beispielsweise den Strich einer Zeichnung zum Protagonisten seiner eigenen Geschichte und spielt mit dem Verweis auf die Natur. In ihrer Bildsprache nutzt sie floral anmutende Elemente als Metapher, spielt mit den uns unbewussten bildlichen Prägungen und unterbricht damit ein wieder erkennendes Sehen. Die Ausstellung ist ein Beitrag zum 20-jährigen Bestehen des Künstlerhauses Bremen, wo die Künstlerin ihr Atelier hat.


Die Moorsoldaten

Skulpturen von Stefan Hempen

29. August bis 28. Oktober 2012

Am 27. August 1933 veranstalteten die damals politisch Inhaftierten des KZ Börgermoor im Emsland den »Zirkus Konzentrazani«. Uraufführung des Moorsoldatenliedes, Symbol für den Widerstand gegen den Terror der NS-Diktatur. Stefan Hempen (geb. 1973) erinnert mit seinen Skulpturen an ein verdrängtes Kapitel deutscher Geschichte. Der Künstler, der selbst aus dem Emsland stammt, wußte bis vor vier Jahren kaum etwas über die Geschichte der 15 Konzentrationslager und der rund 70.000 KZ-Häftlinge. Wut, Scham und Enttäuschung darüber haben ihn bei seinen Arbeiten getrieben. Mit Kettensäge und Schleifgerät schuf er seine Moorsoldaten aus Lärchen- und Lindenholz.


Bildunterschriften: Stefan Hempen, Blick in den Pavillon, 10 von 15 Moorsoldaten (oben), Aus dem Zyklus "Moorsoldaten" (links), Fotos: Holger Blöhte


Hinweis: Beitrag Radio Bremen TV, buten & binnen, 29. August 2012:
www.radiobremen.de


Mirsad Herenda

Flüchtige Natur

26. September bis 14. Oktober 2012

Der in Gorazde, Bosnien-Herzegowina, geborene Bildhauer Mirsad Herenda (geb. 1967) entwickelte an der Bremer Hochschule für Künste eine einzigarte Technik: Seine zum Teil überlebensgroßen Skulpturen sind allesamt aus unzähligen Metalldrähten geschweißt. Herendas sich auf Bewegungsmomente konzentrierenden Kompositionen greifen mit einer bewegten Oberflächengestaltung zusammen, ohne dass der Bildhauer die Form auflöst. Das bildhauerische Werk von Mirsad Herenda bildet Nuancen aus. Leichtigkeit und Schwere, Natur und Kunst, Flüchtigkeit und bedeutungsvolles Verharren, Zeit und Raum sind Beschreibungskategorien, die das Werk des Bildhauers bestimmen. Es ist das eine und immer auch gleichzeitig das andere, das der Bildhauer aufruft und bei seinen meterhohen Bäumen oder aufgescheuten Tieren in ein fragiles Gleichgewicht bringt.

Hinweis: Beitrag Radio Bremen TV, buten & binnen, 28. September 2012:
www.radiobremen.de

Emil Cimiotti

"Den Raum ganz anders besetzen"

24. Juni bis 16. September 2012

Emil Cimiottis Werke erinnern an Wälder und Blätter, Inseln und Berge, Menschengeflechte und Erdformationen. Das es letztendlich „innere Landschaften“ sind, hat der Künstler, der im August seinen 85igsten Geburtstag feiert, stets betont. Der in Göttingen geborene und heute in Wolfen- büttel lebende Bildhauer ist eine Schlüsselfigur des Informel, der abstrakten Kunst nach 1950. Cimiotti gab die geplante bildhauerische Form zugunsten eines spontanen Schaffensprozesses auf, bei dem das Experimentieren mit dem Material Wachs im Vordergrund steht. Damit öffnete er neue Wege für die Bildhauerei.


Gerhard Marcks

Von Hamburg nach Köln

24. Juni bis 31. August 2012

Nach dem Zweiten Weltkrieg traten zahlreiche Kunsthochschulen an Gerhard Marcks heran, um ihn für die Ausbildung junger Bildhauer zu gewinnen. Von 1946 bis 1950 unterrichte er in Hamburg, führte gleichzeitig zahlreiche Aufträge aus, darunter die Fortsetzung des von Barlach begonnenen Figurenzyklus‘ in Lübeck. In dem ihm von der Stadt Köln angebotenen Atelierhaus konnte er sich ab 1950 ganz dem Schaffen als freier Bildhauer widmen.


Petra Fiebig

"Ich bin nicht da"

09. Mai bis 19. August 2012

Der Pavillon des Gerhard-Marcks-Hauses wird vom 9. Mai bis 19. August zum Wohnzimmer. Es ist ein ganz besonderer Kunstraum, den Petra Fiebig da geschaffen hat. Denn auf dem Sofa kann man nicht Platz nehmen, da die aus Bremen stammende Künstlerin es nur auf eine weiße Wand gezeichnet hat - ebenso eine Kommode, einen Ofen, einen Tisch, Gläser, Flaschen und Bücher. Mit der Nachbildung der Realität erzeugt Petra Fiebig eine scheinbare Realität. Einerseits produziert die Darstellung eines Möbelstückes Behaglichkeit, andererseits signalisiert das Fehlen von Personen Einsamkeit. Die Dinge sind gleichzeitig da und nicht da. Bleibt die Frage: Wie viel Eigenleben besitzen die Gegenstände und was macht einen Gegenstand zu einem persönlichen Gegenstand?

Petra Fiebig (geb. 1969), die an der Hochschule für Künste (HFK) Modedesign studierte, zeichnet solange sie denken kann, realistisch, abstrakt, aus dem Kopf, aus dem Bauch, aus den Träumen, mit rechts, mit links. Schon immer faszinierte sie die Schnittstelle zwischen Zeichnungen und Bildhauerei.

Yuji Takeoka

Zum Nullpunkt der Bildhauerei

11. März bis 10. Juni 2012

Die Frage: „Gibt es einen Nullpunkt für die Bildhauerei?“– ähnlich wie eine leere Leinwand für die Malerei – beantwortet der Bildhauer Yuji Takeoka nicht mit einem leeren Raum, sondern mit seinen Sockelskulpturen. Die Ausstellung zeigt in fünf Räumen fünf markante Werkzyklen aus dem bisherigen Schaffen des Künstlers. Präsentiert werden insgesamt 28 Exponate, sowohl frühe Terrakotta- und Bronzearbeiten, lackierte Holzskulpturen aus den frühen 80er- Jahren, als auch neueste Skulpturen aus Plexiglas, Kunststein und vergoldetem Edelstahl.

Ist der Betrachter zumeist geneigt, all das, was ihm auf einem Sockel in Augenhöhe ausgestellt wird, als das eigentliche Kunstwerk zu betrachten, so erhebt Yuji Takeoka das museale Präsentations- möbel zur autonomen Skulptur. Indem er Sockel in den Mittelpunkt stellt und selbst auf einer Plinthe platziert, thematisiert er die Konventionen, welche die Grenzen der Bildhauerei bestimmen.

Der Bildhauer geht in den Folgejahren noch einen Schritt weiter. Er fasst den gesamten Raum als eine begehbare Skulptur auf, schafft eine Umgebung, bei der auch die Wände und die gesamten Proportionen des Raumes zu wichtigen Faktoren werden. Seine jüngste Arbeit „Site case I“, Plexiglas, ermöglicht sogar einen Einblick in das Innere des Gerhard-Marcks-Hauses. Damit thematisiert Takeoka nicht nur den Sockel oder die Museumsvitrine als Grenze und Präsentationsforum des Kunstwerks, sondern auch den Museumsraum als Ort der Kunstwelt. Dabei präsentiert er seine Sockel, Podeste, Vitrinen, Raumteiler und Wandstücke reduziert und streng, ausnahmslos aber „leer“. Diese besagte Leere ist nicht einfach die Abwesenheit von etwas oder das schlichte Gegenteil von Fülle. Dort, wo scheinbar „nichts“ ist – auf den Sockeln, in den Vitrinen und im Zwischenraum –, wird mit Absicht Raum freigehalten für „etwas“ – einer intensiven ästhetischen Auseinandersetzung mit dem künstlerischen Konzept.

Parallel zeigt die Städtische Galerie Bremen unter dem Titel „strong through diversity – Blickpunkt Bildhauerei“ (25. März bis 27. Mai) Arbeiten ehemaliger Schüler, auch die aktuell Studierenden sind mit der Ausstellung „Klasse Takeoka- einzelausstellungen“, Schillerstraße 6, Nähe Finanzamt, vom 8. bis 25. März vertreten.

Neu: Eine begleitende Applikation (App) zu den Ausstellungen "Yuji Takeoka. Zum Nullpunkt der Bildhauerei" im Gerhard-Marcks-Haus, "strong through diversity - Blickpunkt zur Bildhauerei" in der Städtischen Galerie Bremen und "Klasse Takeoka - einzelausstellungen" in der Schillerstraße 6, in Kooperation mit der Universität Bremen.
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Edzard Hobbing

Form und Grazie

11. März bis 10. Juni 2012

Neben den zahlreichen öffentlichen Aufträgen schuf Edzard Hobbing (1909-1974) eine größere Anzahl von Kleinplastiken, in denen sich ein starker formaler Gestaltungswillen und die Lust am Anekdotischen die Waage halten. Ein Teil der Plastiken ist nun dankenswerterweise als Schenkung aus dem Nachlass an die Gerhard-Marcks-Stiftung übergeben worden. Die ausgestellten Werke dokumentieren Hobbings Experimentierfreude besonders in den Bereichen, in denen er nicht nach einem Auftrag, sondern ganz frei aus sich heraus gestalten konnte.Hier zeigt sich sein tief verwurzeltes Interesse am Menschen, das die Essenz seiner Arbeit bildet. Er blieb dem Figürlichen zeitlebens verbunden und scheute die völlige Abstraktion.

Edzard Hobbing lebte seit 1945 in Heidelberg, begann seine künstlerische Laufbahn jedoch in Berlin. Er war dort Kommilitone von Waldemar Grzimek und Meisterschüler von Richard Scheibe, dem Lehrer und Mentor von Gerhard Marcks.


Eberhard Szejstecki

Wandobjekte

25. Januar bis 22. April 2012

Allesamt wandgebunden, auf einem kleinen Sockel stehend präsentiert Eberhard Szejstecki (geb. 1958) seine kleinformatigen Plastiken. In ihrer geringen Größe entfaltet der Bildhauer ein größtmögliches plastisches Volumen. Die unmittelbare erzählerische Kraft seiner Figuren macht aus dem bloßen Beobachter einen Mitwisser.

Die Figuren von Eberhard Szejstecki sind liebenswert, fordern durch eine kalkulierte Mischung von Unbedarftheit und Bildwitz zum Schmunzeln heraus. Es sind die feinen Ritzzeichnungen und die detailreiche, buntfarbige Bemalung der Gipse und Terrakotten, die die besondere Qualität der Arbeiten ausmachen.


Wolfgang Kuhle

Torsi

20. November bis 26. Februar 2012

Zeitgleich zur Ausstellung von Alfred Haberpointner zeigt das Museum Gerhard-Marcks-Haus in Bremen auf der Empore Arbeiten des in Mecklenburg-Vorpommern lebenden Künstlers Wolfgang Kuhle. Die ausgestellten Torsi bieten einen lebendigen Kommentar zu den Arbeiten Haberpointners. Bestechen die Werke Alfred Haberpointners durch ihre kraftvolle Bearbeitung und akzentuierte Textur, ist Kuhle ein sehr feinfühliger und subtiler Bildhauer, der figürliche Formen in Treib- oder Schwemmhölzer findet und akzentuiert.

Wesentlich für die Kunst Kuhles ist die Konzentration auf den Torso. In der Dresdner Tradition wird dieser bewusst gewählt als Ausdruck des Fragmentarischen, Verletzten aber auch als Mittel der Konzentration auf Bewegtheit von innen her. Die Wölbungen, Verknotungen, Einschnürungen und Zerfaserungen tragen eine inhaltliche Botschaft. Es geht, im Barlachschen Sinne, um "die äußere Darstellung eines inneren Vorganges".

Wolfgang Kuhle, 1935 in Thüringen geboren, hat den Beruf des Bildhauers von der Pike auf erlernt. Als Tischler wurde ihm der Umgang mit dem Holz vertraut, als Steinmetz fand er das Verständnis für die spröde Fügsamkeit der Gesteine und Minerale. An der Dresdner Hochschule für Bildende Künste studierte er bei Hans Steger, der seinen Studenten – darunter auch Wieland Förster und Werner Stötzer – zeigte, wie über eine Betonung der rein plastischen Bewegung und Dynamik neue Impulse für die figürlichen Tradition geschaffen werden konnten. Die Bildhauer in der Nachfolge Stegers betonten formale und nicht inhaltliche Aspekte und wurden damit einerseits zu Außenseitern in der Kunst der DDR und andererseits zu den wenigen ostdeutschen Bildhauern mit überregionaler Relevanz.

Alfred Haberpointner

Der Haken der Bildhauerei

20. November bis 26. Februar 2012

Das Museum Gerhard-Marcks-Haus in Bremen zeigt eine Ausstellung des österreichischen Bildhauers Alfred Haberpointner (geb. 1966). Sein künstlerisches Material ist das Holz. Der österreichische Bildhauer verwendet meist Linden-, Espen- oder Nusshölzer und bearbeitet diese intensiv durch Hacken, Sägen und Schlagen aber auch mit glühendem Brenneisen und Blei. Es geht Haberpointner dabei nicht um eine Zerstörung, vielmehr verdichten sich die auf dem Holz hinterlassenen Texturen zu lebendigen Spuren. Auf diese Weise öffnet er die Form, vergrößert die Oberfläche um ein Vielfaches und schafft Räume. Die Spannung bei diesen Arbeiten besteht in der Dialektik von Prozess und Form.

In seiner wuchtigen Bildhauerei untersucht Haberpointner das Zusammenspiel von Handwerk, Form und Inhalt. Abstrakte Ideen wandeln sich zu erkennbaren Zeichen, etwa wenn eine Ei-Form durch gezielte Verformung zu einem Kopf wird. Haberpointner gelingt es, sich in seinem Œuvre auf wenige aussagekräftige Formen zu konzentrieren: Kugel, Kegel, Oval und Quadrat sind die vorherrschenden stereometrischen Formen, die der Bildhauer zu stabilen, bedeutungsaufgeladenen Gruppen arrangiert oder in serieller Reihung dekliniert.

Die Ausstellung ist eine Kooperation des Gerhard-Marcks-Hauses mit der Landesgalerie Linz. In Bremen werden sechs Werkgruppen aus den letzten zwei Jahrzehnten gezeigt. Darunter die extra für die Ausstellungsräume des Gerhard-Marcks-Hauses konzipierten „gehackten Bilder“, die mit glänzenden Eisenplättchen überzogene vierteilige Gruppe „Herkules friends“ aus dem Jahr 2003 und das sogenannte „Arsenal“. Im „Arsenal“ fasst Haberpointner eine Vielzahl von überlebensgroßen Köpfen zusammen.

Für die freundliche Unterstützung von Ausstellung und Katalog danken wir sehr herzlich dem österreichischen Bundesministrium für Unterricht, Kunst und Kultur, dem Österreichischem Kulturforum Berlin und dem Freundeskreis des Gerhard-Marcks-Hauses e. V.


Kleider machen Kunst

Karin Arink und Reinhold Engberding

21. August bis 06. November 2011

Die Ausstellung präsentiert zwei Außenseiter der zeitgenössischen Bildhauerei. Beide Künstler arbeiten in sehr vielen Medien (Stoff, Kleidung, Keramik, Zeichnung, Sprache); im Zentrum des jeweiligen Oeuvres steht immer das Thema Mensch. Die Rotterdamer Bildhauerin Karin Arink (geb. 1967) und der Hamburger Reinhold Engberding (geb. 1954) nutzen Kleidung als Werkstoff. Als Schnittstelle zwischen Körper und Umwelt ist eine Umhüllung Träger von vielen möglichen Bedeutungen. Für Arink ist ihr eigener Körper der Bezugspunkt, für Engberding derjenige anderer Menschen, und aus dieser ersten Differenz entwickeln beide in der Ausstellung ein komplexes Spiel von visuellen Bezügen. Die Künstler werden anhand von Themen wie „Körper“, „Sexualität“ und „Identität“ ihre Arbeiten in den Räumen des Museums inszenieren und gegenseitig kommentieren.

Für die großzügige Unterstützung von Ausstellung und Katalog danken wir der Mondriaan Foundation, dem Fonds BKVB, dem Prins Bernhard Cultuurfonds, der Stokroos Stiftung und dem Freundeskreis des Gerhard-Marcks-Hauses e. V.


Den Podcast zur Ausstelung von Tim Schomacker (Kulturg.u.t.) finden Sie unter:
www.schwankungen.de
Den Podcast zum Mitnehmen finden Sie hier (rechte Maustaste)

Bildunterschriften:

Oben:
Karin Arink, H-dress und wearing H-dress to wooo you, 2001, Stretchstoff, Metall und Digitalfoto, Fotograf: Artur Clemens; X-pose (your self to me), 2001, beschichtete Baumwolle, Holz
Reinhold Engberding, Gehen - (Für Lucius Burckhardt), 2007, getragene Jacketts, Foto: Tim Kubach, Copyright: VG Bild-Kunst, 2011


Gerhart Schreiter

Kupferfolien: Skizze und Kunstwerk

21. August bis 06. November 2011

Die Ausstellung auf der Empore widmet sich nicht den Skulpturen von Gerhart Schreiter, sondern ausschließlich seinen Kupferfolien, die der Bildhauer u.a. als Vorstudien für Wand- und Reliefgestaltungen verwendete. An ihnen wird seine besondere Fähigkeit sichtbar, Flächen zu gliedern. Immer weiter tritt die Figur dabei in den Hintergrund, immer mehr die abstrakte Struktur als solche in den Vordergrund. Das wird beispielsweise erlebbar an der Tür zur Heilig-Geist-Kirche in Bremen-Vahr (1964) mit der „Speisung der Fünftausend“. Obwohl die Einzelfiguren voneinander abgegrenzt und gut erkennbar sind, vereinigen sie sich zu einem wogenden Teppich.

Den Reliefgestaltungen Schreiters gehen in der Regel keine Zeichnungen voraus, dennoch sind sie sorgsam durchgespielt und geplant. Er verwendete für die Vorstudien oft Kupferfolien, in die er das Motiv mit einem Stift eindrückte oder von der Rückseite her trieb, so dass bereits ein plastischer Eindruck entstand.

Bildunterschrift:
Gerhart Schreiter, Bremen-Vahr, Heilig-Geist-Kirche, Türflügel, 1964, Speisung der Fünftausend


Clarissa Dietrich

Kopfsache

24. August bis 03. Oktober 2011

Der erfundene Kopf ist das bevorzugte Sujet von Clarissa Dietrich. Sie macht keine Porträts und arbeitet nicht mit Modellen. Die Reduzierung der abbildenden Details und die nichtüberzeichnende Betonung markanter Merkmale, beherrscht sie dabei meisterhaft. Dadurch, dass ihre Köpfe unterlebensgroß sind, entsteht eine gewisse Distanz zum Betrachter. Die noch verstärkt wird, weil die Köpfe keinen Kontakt zueinander haben und in verschiedene Richtungen blicken.

Die Bremer Bildhauerin Clarissa Dietrich (geb. 1977), die Bildhauerei bei Bernd Altenstein studierte und gerade ihre Diplom-Prüfung absolviert hat, verbildlicht in ihren über 100 Köpfen erinnerte Eindrücke. In einem Spiel von Ähnlichkeit und Differenz bewegen sich die einerseits uniformen und doch individuellen Köpfe zwischen Allgemeinem und Besonderem. Dem Betrachter wird vor Augen geführt, wie man wahrnimmt, was man vergisst und was bleibt.


Benjamin Beßlich

"Nichts Besonderes"

01. Juni bis 07. August 2011

Guckkästen, Installationen, Malerei und Fotogramme – mit unterschiedlichen Medien umkreisen die Arbeiten von Benjamin Beßlich das Thema Natur. Bei der Gestaltung seiner Kunstwerke schaut er aber nicht nur durch die künstlerische Brille – sein wissenschaftlicher, distanziert sezierender Blick auf die Natur lotet ästhetische Möglichkeiten spielerisch, experimentell und variantenreich aus.

In der eigens für den Pavillon des Gerhard-Marcks-Hauses entwickelten Installation tritt dem Betrachter die lebendige Natur in kleinen, durchsichtigen Plastikkugeln entgegen. Etwas Erde, Wasser, Gras, Mikroorganismen und ab und zu ein größeres Tierchen bilden zusammen ein Biotop, das sich im Verlaufe der Zeit verändert, das aber vollständig autark ist. Manche dieser Kleinstwelten stammen noch aus der experimentellen Anfangsphase des Projektes und sind mittlerweile zwei Jahre alt! Sie zeugen vom Gleichgewicht, in dem sich die Natur unter günstigen Umständen befindet - wenn man sie denn lässt. Diese Idee einer fragilen aber vorhandenen Eigenständigkeit wird durch die weiteren Elemente der Installation noch unterstützt. Die kleinen Sphären schweben nicht alleine im Raum, sondern werden von schützenden Gebilden aus gebogenen Ästen und darüber gespanntem Papier umgeben.

Für interessierte Besucher liegt ein Text eines ausgewiesenen Naturwissenschaftlers zu den Veränderungen in den Kugeln aus. Die naturwissenschaftliche Nüchternheit beschränkt sich jedoch auf diesen Text. Der Künstler strebt hingegen eine poetische Kunsterfahrung an, um Raum für Assoziationen, Neugierde und Nachdenklichkeit zu schaffen.

Ergänzt wird die Installation mit Fotos aus früheren Experimentreihen des Künstlers. Die Fenster im Pavillon sind mit durchscheinenden stark vergrößerten fotografischen Arbeiten aus den Kugeln abgehängt. Vor allem Gras und Moosstrukturen werden sichtbar. Diese Bilder zeigen Stadien der sich in den kleinen Sphären abspielenden Sukzession.

Bildunterschrift: Benjamin Beßlich, Aus der Arbeitsgruppe "Nichts Besonderes", Papier, Zweige, Lack, Draht, Plastikkugeln, Erde, Wasser und Pfanzen, 2011


gerhardWER?

Marcks: Mehr als die Stadtmusikanten!

08. Mai bis 07. August 2011

Suchen Sie sich Ihren Lieblingsmarcks aus! Bei uns im Depot (telefonische Terminvereinbarung unter 0421/32 72 00) oder in unserer neuen Datenbankwww.marcks.de/suche.aspx.Senden Sie uns Ihren Favoriten mit einer spontanen Begründung Ihrer Wahl als E-Mail an: meinmarcks@marcks.de

„Man hat mich als Expressionisten gelten lassen, als Entarteten gebrandmarkt, als Klassizisten beiseite gelegt und als Realisten wieder hergeholt“. Diese denkbar kurze und prägnante autobiografische Bemerkung stammt aus der Feder von Gerhard Marcks — einem der bedeutendsten Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Sein Œuvre befindet sich seit vierzig Jahren in der Obhut des Gerhard-Marcks-Hauses: eine der größten Ein-Künstler-Sammlungen weltweit. Charakteristisch für Marcks ist, dass er in seinen Werken immer Gegensätze miteinander verbindet. Es gelingt ihm, die wilde, oft chaotisch anmutende Vielfalt der Natur in ruhigen, kubischen Formen darzustellen. Die Mischung aus Geometrie und Gefühl macht seine Skulpturen unverwechselbar.

Die Ausstellung präsentiert spielerisch die Spannbreite dessen, was Gerhard Marcks (1889 – 1981) in acht Jahrzehnten schuf. »gerhardWER« wird keine traditionelle Schau: Das Aufbereiten der eigenen Sammlung gehört zu den Kernaufgaben eines Museums. Diese Arbeit spielt sich wie alle wissenschaftliche Arbeit meistens im Hintergrund ab. Für die Ausstellung „gerhardWER“? wird dies umgedreht: Besucher werden eingeladen, Werke auszusuchen und Fragen dazu zu formulieren. Die Mitarbeiter des Museums präsentieren aus den Werken und den Antworten eine sich ständig ändernde Ausstellung zu Gerhard Marcks.

Mit dieser Ausstellung beginnend wird im Lauf der nächsten Jahre die komplette Sammlung des Museums über das Internet erschlossen. Nicht nur Wissenschaftler, sondern alle Besucher und Kunstinteressierte erhalten weltweit einen Einblick in die Sammlung.

Für die großzügige Unterstützung von Ausstellung und Datenbank danken wir der Bremer Landesbank, Trenz AG und dem Freundeskreises des Gerhard-Marcks-Hauses e. V.

Bildunterschriften: Gerhard Marcks, Pan und Nymphe, 1928, Gerhard Marcks, Hockende Frau, 1953


Zwischenwesen

Ulla Reiter: Skulpturen aus Schaumstoff

08. Mai bis 07. August 2011

Das Gerhard-Marcks-Haus in Bremen ist das Museum für moderne und zeitgenössische Bildhauerei. Ausgehend von seinem Stifter Gerhard Marcks (1889–1981) hat es sich der besonderen Tradition der figürlichen Bildhauerei verpflichtet. Parallel zu der Ausstellung „GerhardWER?“ zeigt das Gerhard-Marcks-Haus nun mit Ulla Reiter (geb. 1979) eine junge Position dieser Richtung.

Die Bildhauerin inszeniert ein Spiegelkabinett der menschlichen Eitelkeiten, der Urtriebe und Macht. Ihre Protagonisten sind allesamt überlebensgroß und wurzeln in alten mythischen Erzählungen ebenso wie in aktuellen Comic- und Computerspielwelten.

Raum füllend und mit angespannter Kraft treten die Apokalyptischen Reiter (2008) dem Betrachter entgegen. Mit wehender Mähne und geblähten Nüstern scheint das Pferd geradewegs bereit, den Ritt mit seinen beiden gerüsteten Begleitern wieder aufzunehmen. Statische Ruhe und Überlegenheit strahlt hingegen die gekrönte Personifikation der Wolllust (2010) aus, deren entblößten Brüste sich in lachende Fratzen verwandeln.

Ulla Reiters Figuren treffen den Betrachter mit Wucht: Sie verblüffen und irritieren zugleich. Widerspruch erzeugt die Künstlerin in erster Linie über das Material, denn die martialisch stark erscheinenden Giganten sind allesamt aus weichem Schaumstoff. Sie werden in klassischer Bildhauertechnik mit Weberschere, Sezierbesteck und zweckentfremdetem Dönermesser direkt aus dem Block gearbeitet und mit grafischen Strukturen zum Teil farbig gefasst. Barocken Überwältigungsstrategien folgend, setzt die Bildhauerin dabei Volumen und ornamentale Fülle gezielt ein und lässt die Grenze zwischen dreidimensional Präsentem und malerischer Illusion verschwimmen.

Bildunterschrift: Ulla Reiter, Apokalyptische Reiter, 2008, Schaumstoff


Kunstfrühling 2011

06. Mai bis 05. Juni 2011

Vom 6. Mai bis 5. Juni 2011 verwandelt sich die alte Gleishalle am Güterbahnhof in Bremen wieder zu einem Drehkreuz zeitgenössischer Kunst aus der Metropolregion Bremen-Oldenburg und Hannover . Das Gerhard-Marcks-Haus ist dort mit einer eigenen Präsentation vertreten.


Der Bildhauer Dietrich Heller untersucht in seinen (über)lebensgroßen Steinskulpturen
das Zusammenspiel von Form, Raum und Wahrnehmung. Gegen Ad Reinhardts berühmte
ironische Bemerkung, eine Plastik sei etwas, worüber man beim Betrachten eines Gemäldes
stolpere, setzt Heller die einfache Beobachtung, dass, wer auf eine Plastik schaut, die Chance
hat, viel mehr zu sehen.

Dietrich Heller, geboren 1965 in Gießen, lebt und arbeitet in Bremen


Bildunterschrift:
Dietrich Heller: Entwurf für den Kunsfrühling 2011
Collage, 29 x 42 cm


Claudia Christoffel

Das Fundament der Kunst revisited

16. März bis 22. Mai 2011

Claudia Christoffel hat sich genau vor einem Jahr in die Ausstellung „Sockel – das Fundament der Kunst“ mit ihren „temporären skulpturalen Setzungen“ eingeschlichen. Die Fotografien dieser parasitären Arbeit werden im Pavillon ausgestellt.

Die Künstlerin entwickelt in ihrer Arbeit "Temporäre skulpturale Setzungen" (2007 in New York) eine Serie weiter, die während ihres Erasmus-Stipendiums 2003 in Reykjavik und ihrem dortigen Studium bei Roni Horn ihren Ausgangspunkt genommen hatte. Im Sonderangebot gekaufte Kartierungsnadeln waren der Auslöser für eine offene Serie, in der Claudia Christoffel diese Nadeln an Orten und/oder Objekten setzte, die in irgendeiner Weise mit den Stationen ihres künstlerischen Schaffens verbunden sind. Ein alltäglicher Gegenstand wird verwendet, künstlerische Eingriffe vorzunehmen. Im Falle der Nadeln sind diese Eingriffe temporär und flüchtig – nichts weiter als eine Spur, die an ihrem originalen Schauplatz häufig kaum registriert wird. Einzig die Fotografie zeugt von ihrem einstigen Vorhandensein. Seit 2006 hat sie diese Setzungen ausgedehnt auf die Büros verschiedener Kuratoren und Institutsleiter. In dieser Arbeit vermischen sich genreübergreifend das Moment der spontanen Aktion, das Entstehen einer skulpturalen Erscheinung, die fotografische Dokumentation, und schließlich die Zerstörung durch die Künstlerin selbst.

Zusätzlich zu der Ausstellung im Pavillon, die sichtbar macht, was der eine oder andere Besucher vor einem Jahr vielleicht nur durch Zufall entdeckt hat, werden auch in der Ausstellung „Feininger & Marcks - Tradition aus dem Bauhaus“ skulpturale Setzungen für den aufmerksamen Besucher zu entdecken sein.

Bildunterschrift:
Claudia Christoffel, Im Foyer des Gerhard-Marcks-Hauses, 2010
Aus der Serie "Temporäre skulpturale Setzungen"

Feininger & Marcks

Tradition aus dem Bauhaus

23. Januar bis 25. April 2011

Zwei internationale Künstlerpersönlichkeiten, ein vielfältiges Beziehungsgeflecht, eine einzigartige Ausstellung: Den Maler Lyonel Feininger (1871-1956) und den Bildhauer Gerhard Marcks (1889-1981) verband eine langjährige Freundschaft, beide erwiesen sich dabei als kritische Beobachter des jeweils anderen Œuvres. In der Gegenüberstellung von Malerei, Plastik und Grafik (132 Exponate) verdeutlicht die Schau ihre gemeinsame Vernetzung in der Kunstentwicklung vom deutschen Spätexpressionismus bis hin zu den Abstraktionstendenzen der 1950er Jahre.

„Maß“ - halten, ein Schlüsselbegriff von Gerhard Marcks, mit dem er seine Vorstellungen von Verhältnismäßigkeit und innerer Formgebundenheit zusammenfasste, trifft auch auf die Werke Lyonel Feiningers zu. Oder, wie es letzterer formulierte: „Die einfachste Form für einen andauernd gültigen Bildausdruck erreichen“.

Lyonel Feininger und Gerhard Marcks hatten sich 1919 am Staatlichen Bauhaus in Weimar kennen gelernt, wo sie als Formmeister von Druckerei und Töpferei tätig waren. 1925 trennten sich ihre Wege. Marcks ging an die Burg Giebichenstein in Halle, Feininger zog mit dem Bauhaus nach Dessau. Feiningers Besuche während seiner Arbeit am Hallezyklus 1929 bis 1931 sowie beider Aufenthalte in Berlin seit 1932/33 boten Anknüpfungspunkte. Für beide wurde die Ostsee seit der Mitte der 1920er Jahre zu einem künstlerisch inspirierenden Rückzugsraum.

1937 siedelte Lyonel Feininger nach New York um. Gerhard Marcks verbrachte die Phase des Kriegs an der Ostsee sowie in Berlin. Seit 1950 lebte er in Köln. Beide eroberten den amerikanischen Kunstmarkt. Ein Zentrum bildete dabei der Kunsthändler Carl Valentin in New York, der beide Künstler ausstellte. 1948 setzte ein regelmäßiger, bis zum Tod Feiningers geführter Briefwechsel zwischen den beiden ein.
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Der Traum der Frau

Weibliche Aktfiguren bei Waldemar Grzimek

23. Januar bis 25. April 2011

Der weibliche Akt ist als Studienobjekt seit jeher ein zentrales Thema der Bildhauerei. Aus dem 2005 ins Gerhard Marcks-Haus gekommenen Nachlass von Waldemar Grzimek werden Frauenfiguren aus drei Jahrzehnten (aus den Vierziger- bis Siebzigerjahren) gezeigt. Anhand dieser kann exemplarisch die bildhauerische Entwicklung des Künstlers nachvollzogen werden.

Nach autodidaktischen Anfängen knüpfte Grzimek schon bald erste Kontakte zur Berliner Bildhauerschule: Richard Scheibe (1897–1964) und Gerhard Marcks (1889–1981) wurden fortan zu seinen wichtigsten Mentoren und lebenslang geschätzten Kollegen. Beide erkannten und förderten früh das Talent des jungen Bildhauers. Auf Anraten Scheibes studierte Waldemar Grzimek bei Wilhelm Gerstel (1897–1963) an der Hochschule für bildende Künste in Berlin. Dem konstruktiven Naturstudium seines Lehrers Gerstel geschuldet, zeichnen sich die frühen Werke Grzimeks durch eine statuarische Strenge aus. Wie die „Erwachende“ zeigt, werden narrative Motive oft in ausbalancierten Kompositionen festgehalten. Mit dem Beginn der Sechzigerjahre vollzieht sich ein eklatanter künstlerischer Wandel: Weniger die äußere Konstruktion einer Figur, als vielmehr ihre innere Befindlichkeit fordert Grzimeks Aufmerksamkeit. Erste Ansätze der zunehmend bewegten Formensprache vermittelt sein „Torso“ aus dem Jahr 1959. Die hier noch weitestgehend geglättete Oberflächengestaltung weicht in seinen späteren Werken einem unruhigen „Modelé“. Tanz und Bewegung werden zu Grzimeks bevorzugten Themen, die gestalterischen Möglichkeiten von Körper und Raum auszuloten.

In zahlreichen Zeichnungen nähert sich Waldemar Grzimek seinen plastischen Ideen. Modellstudien und Entwurfsskizzen werden vor allem im Spätwerk zunehmend wichtig, als das eigentliche Modellieren nach dem lebenden Modell wegen der starken Verdrehungen seiner Figuren nahezu unmöglich wird. Die Weiterentwicklung der Zeichnungen im Medium der Lithografie macht jedoch auf ihre künstlerische Eigenständigkeit aufmerksam.


Der Zoo von Gerhard Marcks

Eisbär, Ziege und Kamel zu Besuch in Gröpelingen

17. Februar bis 05. April 2011

Für Ziege, Eisbär, Pinguin und Kamel rollt sich der grüne Teppich im Atelierhaus Roter Hahn aus und die Türen des Ateliers öffnen sich für Kindergruppen, um nach einem gemeinsamen Ausstellungsbesuch im „Zoo von Gerhard Marcks“ selbst Lieblingstiere zu formen, zu bauen und zu gestalten.

Gerhard Marcks (1889-1981) wollte in seiner Bildhauerei Natur nicht bloß abbilden, sondern, wie er es nannte „eine Form“ dafür finden. Er suchte nach einer vereinfachten Darstellung, die dennoch das typische von Mensch oder Tier zeigte. Marcks’ Figuren sind dadurch gleichzeitig natürlich und streng.

Die Ausstellung „Der Zoo von Gerhard Marcks“ zeigt Tierplastiken und Zeichnungen, die diese Suche dokumentieren. Sie ermöglichen Kindern neben der intensiven Betrachtung der eindrucksvollen Skulpturen eine künstlerische Recherchereise zu geometrische Formen und Abstraktion.In den Workshops lernen Kinder zwischen fünf und sieben Jahren nicht nur die marck’schen Ziegen, Schafe und Kühe kennen. Sie gestalten und formen in Workshops selbst ihr Lieblingstier.

Im Rahmen dieser praktischen Umsetzung soll den Kindern auf vielfältige Weise die Abstraktion der Form bei Marcks näher gebracht werden. Ausgehend von geometrischen Grundformen werden mit den Kindern im Atelierhaus sowie im Atelier des Museums zwei- und dreidimensionale Fantasietiere gestaltet.Am Ende des Projekts werden die entstandenen Werke der Kinder aus Gröpelingen schließlich im Mai in der Ausstellung „Gerhard wer?“ im Gerhard Marcks Haus zu sehen sein.

Nach dem Projekt „Skulptur sucht Schule“ (2009/2010) ist die Ausstellung „Der Zoo von Gerhard Marcks“ die zweite Ausstellungskooperation mit kunstpädagogischem Programm des Gerhard- Marcks- Hauses mit Kultur Vor Ort e.V.

Sie eröffnet insbesondere Kindergruppen und Schulklassen aus Gröpelingen durch die Unterstützung der Heinz und Ilse-Bühnen-Stiftung, eine altersgemäße künstlerische Produktion mit Ausstellungs- und Atelierbesuchen sowie einer Beteiligung an dem Ausstellungsprojekt „Gerhard wer?“ im Gerhard Marcks Haus.

Anmeldung für die Workshops unter: info@kultur-vor-ort.com
Eine Veranstaltung von Kultur Vor Ort und dem Gerhard Marcks Haus mit Unterstützung der Heinz und Ilse-Bühnen-Stiftung.

Ausstellungsort: Atelierhaus Roter Hahn, Gröpelinger Herrstraße 226, 28237 Bremen,
Telefon: 0421 619 77 27, Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8 bis 18 Uhr


Gertrud Schleising

Penthouse

15. Dezember bis 06. März 2011

Gertrud Schleising hat ihre Collagen um eine Dimension erweitert. Aus den kommentierten Szenen und ironischen Erzählungen auf einem Blatt Papier wurden Gebäude aus Styropor. Die Geschichten im Raum sind viel konkreter als die auf einem Blatt und gleichzeitig sind sie offener. Die eine Dimension mehr macht`s. Konkret werden sie, weil die Fundstücke und Papierschnipsel immer mit Wohnen und vor allem mit dem Versprechen von schöner Wohnen verbunden werden. Die Utensilien für Hochglanzglück können die Beziehungen, Dramen und Geschichten, die sich in diesen Räumen abspielen, jedoch nicht verdecken, so dass aus jedem neuen Blickwinkel ein neuer Aspekt des wirklichen Lebens im Penthouse aufscheint.

Die Methode der Künstlerin, bei der Abfälle zu Bedeutungsträgern werden, macht vor allem sichtbar, wie sehr die Illusion zum Material einer Konsumgesellschaft geworden ist. Man bedenke: Inzwischen werden in dieser Gesellschaft vornehmlich Illusionen konsumiert, was langfristig weder Hunger noch andere Gefühle der Leere lösen wird. Über den Umweg des scheinbar Kindlichen und Naiven hat Gertrud Schleising einen Weg gefunden, heute etwas analog zur moralistischen Kunst des frühen Bürgertums zu schaffen: Der Betrachter sieht sich und seine Gesellschaft.


Dauerbrenner Mytholgie

Mythologisches bei Marcks

23. Juni bis 09. Januar 2011

Ausgangspunkt der Ausstellung ist die im Todesjahr von Gerhard Marcks (1889–1981) entstandene Bronzeplastik „Prometheus und der Zeus-Adler“. Die Bronze wurde im Rahmen des neuen museumspädagogischen Konzepts „Skulptur sucht Schule“ drei Monate lang in der Gesamtschule West in Bremen-Gröpelingen ausgestellt. Schüler bekamen dadurch die Möglichkeit einer unmittelbaren inhaltlichen wie künstlerischen Auseinandersetzung mit einem Kunstwerk der klassischen Moderne über einen längeren Zeitraum hinweg. Neben dem künstlerischen Objekt an sich, galt es selbständig ein Thema des klassischen Bildungskanons zu erschließen: einen Mythos, der stets fundamentale Themen der Menschheit verhandelt. Außerhalb des regulären Lehrplans, ohne klassisch humanistische Vorbildung, allein durch selbstendeckendes Lernen und der unvoreingenommenen Neugierde am Unbekannten bleibt so Mythologie bis heute ein „Dauerbrenner“.

Die Figur des Prometheus stellt den Endpunkt in Gerhard Marcks‘ Beschäftigung mit Themen der Antike dar. Marcks, der sich einst selbst als einen „unbedingten Griechenlandverehrer“ bezeichnet hatte, schränkte dies zu gleich ein: nicht den bewegt-dramatischen Skulpturen des Hellenismus‘ galt seine Bewunderung, sondern den formstrengen Werken der griechischen Archaik und Frühklassik. Der humanistisch gebildete Künstler Marcks pflegte in seiner Beschäftigung mit der antiken Bildenden Kunst, Literatur und Philosophie eine visuelle wie intellektuelle Auseinandersetzung gleichermaßen. Dabei berücksichtigte diese sowohl die tatsächlich überlieferten künstlerischen Werke der Griechen, als auch deren Erforschung durch die damals aktuelle Altertumswissen- schaft.

Noch vor seiner prägenden Griechenlandreise 1928 entstand die Figur des antiken Riesen „Antäus“. Doch ähnlich wie in seinem Werk „Tantalus“ oder „Atlastochter“ stehen hier weniger die Illustrationen der mythologischen Erzählungen im Vordergrund, als vielmehr die Darstellungen grundlegender tektonischer Gestaltungsfragen einer knienden, sitzenden bzw. stehenden Figur.

Am Ausgangspunkt der „Drei Grazien“ steht zwar das im archäologischen Nationalmuseum Neapel aufbewahrte pompejianische Fresko der antiken Göttinnen; doch weniger die direkte Ausein- andersetzung mit dem antiken Vorbild, als die plastische Gestaltung eines differenzierten Standbein- Spielbeinmotivs und einer ausgewogenen Gruppendarstellung spielten für Gerhard Marcks eine Rolle.

Vom 6. bis 25. September 2010 ist die Ausstellung wegen Umbau der Hauptausstellung nicht zugänglich!


Thomas Duttenhoefer

Menschliches aus der Mythologie

26. September bis 09. Januar 2011

Nach Köpfen, Torsi, Madonnen, Stieren, Bischöfen und Märtyrern gilt Thomas Duttenhoefers (geboren 1950) Interesse nun den Gestalten der antiken Mythologie. Dieser neue inhaltliche Schwerpunkt entspricht der Vorliebe des Künstlers an der Kreatur mit all ihren Nöten und all ihrer Verletzbarkeit. Er greift damit auf einen Fundus zurück, der in der europäischen Kunstgeschichte wohl verankert ist. Am breiten Rezeptionsstrang ursächlich beteiligt ist der römische Dichter Publius Ovidius Naso (43 v. Chr. – 18 n. Chr.), der kurz nach der Zeitenwende die „Metamorphosen“ verfasste, die zu einem der am meisten gelesenen und einflussreichsten Werke der Literaturgeschichte avancierten. Unter dem Leitthema der Verwandlung trug er in diesem Epos die antiken Mythen in ihrer ganzen Breite zusammen.

Der spielerische, humorvolle und dahineilende Duktus des umfangreichen Gedichts lässt die psychologische Tiefe der geschilderten Figuren jedoch oft vergessen. Denn selbstverständlich verhandeln Mythen höchst komplexe und auch tragische Schicksale: der Übergang von der einen Existenz in die andere liest sich oft genug als Tod. Zu erinnern wäre hier beispielsweise an Actaion, der die Göttin Diana beim Bade überraschte, von ihr zur Strafe in einen Hirsch verwandelt und von seinen eigenen Hunden zerrissen wurde.

Genau diese Tragik der Protagonisten macht sie für Thomas Duttenhoefer interessant und gestaltenswert. Denn alle Themen, denen er sich bisher zuwandte und alle Schöpfungen, die daraus entstanden, kreisen stets um die eine – existentielle – Grundidee: um die auf sich zurückgeworfene Kreatur, die hin und her gerissen ist zwischen einem unbändigen Willen zum Leben und der Erkenntnis, das jedes Leben von Verletzungen gezeichnet und schließlich endlich ist.

Die Ausstellung auf der Empore des Gerhard-Marcks-Hauses zeigt eine Auswahl seiner neusten mythologischen Arbeiten. Minotaurus, Pan und die Kentauren kommen nicht nur als Einzelfiguren daher, sondern auch als Gruppen. Es sind Hybride: Menschliche Reflektion trifft auf tierischen Trieb. Dabei ist Duttenhoefer zur klassischen Technik des Modellierens mit einer stark aufgerissenen Oberfläche zurückgekehrt und hat den antiken Mythen ihre archaische Realität zurückgeben!


Der Traum des Bildhauers:

Johan Tahon

26. September bis 09. Januar 2011

Der belgische Bildhauer Johan Tahon (geboren 1965) baut mit seinen figürlichen Plastiken Brücken. Brücken hin zu einer anderen Seite des menschlichen Daseins, jenseits der sichtbaren Realität. Seinem obsessiven Gestaltungsdrang folgend, versucht er Träume, Fantasien und Bilder aus der Welt des Unbewussten sichtbar werden zu lassen. Als erstes Museum in Deutschland widmet das Gerhard-Marcks-Haus Johan Tahon eine umfassende Einzelausstellung. Sie entsteht in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler.

In seinen fabrikhallengroßen Ateliers in Belgien und in der Türkei entstehen meterhohe Gipsskulpturen, oft lang gezo­gene menschen- und tierähnliche Gebilde, Körper mit aus­gestreckten Armen ohne Hände, Tiere, die zu biomorphen Gestalten mutieren oder geometrischen Formen, die in ihrer Struktur auf die Unendlichkeit des Universums verweisen. Durch das Mittel der Assemblage gelingt es ihm, die erzählerische Kohärenz der Figuren radikal zu durchbrechen und neue Bedeutungszusammenhänge zu evozieren.

Johan Tahon, der ebenso an klassischen Techniken der Bildhauerei festhält, wie er sie gleichzeitig bricht und neu erfindet, formt zwei Wochen vor Ausstellungsbeginn in den Räumen des Gerhard-Marcks-Hauses seine Skulpturen zur endgültigen Fassung. Über den skelettartigen Unterbau seiner Figuren wird mit der Hand oder mit Spachteln der Gips zu einer haptischen Struktur modelliert, das hart gewordene Material mit dem Hammer beschlagen. Dieser Prozess mündet schließlich in einer Ausstellung als ultimatives Bild.

Johan Tahon, 1965 in Menen, Belgien, geboren, studierte in Gent an der Königlichen Akademie der Schönen Künste Bildhauerei. Er lebt und arbeitet im belgischen Oudenaarde. Seit seiner Entdeckung durch den künstlerischen Leiter der Documenta IX, Jan Hoet, wurde sein Werk durch Ausstellungen in Belgien sowie in den Niederlanden und den USA gewürdigt. Zahlreiche Werke wurden in den letzten Jahren von öffentlichen Sammlungen erworben.

Einen Beitrag über die Ausstellung finden Sie hier.

Inger Seemann

Raumfalten

15. September bis 05. Dezember 2010

Inger Seemann faltet Stahlblechplatten. Bereits in diesem kurzen Satz ist sehr viel Grundsätzliches enthalten. Die meisten Künstler lassen Stahl falten, was zwar oft beeindruckend aussieht, den Künstler aber als Organisator und nicht als Macher ausweist. Natürlich ist Handwerk kein Merkmal der Kunst, aber in manchen Fällen entsteht über Arbeit ein bestimmter Inhalt. Nur wenige abstrakte Stahlskulpturen vermitteln den Eindruck, als habe ein Mensch sie gemacht, oder stärker sogar, beim Material Stahl gehen Betrachter quasi automatisch von einer industriellen Fertigung aus. Dass Metall per Hand geschmiedet und gebogen werden kann, wissen heute nur noch wenige - Inger Seemann zeigt es mit ihren Skulpturen.Und während Metall meistens Schwere ausdrückt, vermitteln die Falten (die an Papier erinnern) ihrer Figuren Leichtigkeit und Schwerelosigkeit.

Jede Falte gibt einer Fläche eine räumliche Dimension. Dieser Übergang von der Fläche in den Raum hinein gehört zu den zentralen Themen der modernen Bildhauerei. Dahinter steckt die grundsätzliche Frage, was denn eigentlich Bildhauerei ist und wo – im theoretischen und im praktischen Sinne – ihre Grenzen verlaufen. Traditionell spielt der Kategorienwechsel von der Fläche zum Objekt keine große Rolle: Eine Bildidee wurde gezeichnet und später in einem anderen Material räumlich umgesetzt. Das Medium war bloßer Träger, und erst als in der Moderne die besonderen Qualitäten des Mediums selbst zum Thema der Kunst wurden, entdeckte man die Grenze zwischen den Medien als Problem- und Spielfeld. Es zeigte sich, dass die Grenzen gar nicht so fest sind, wie es die klassizistische Theorie vermuten ließ, und dass auch ein Blatt Papier eine Plastik sein kann: Eine Falte genügt.

In den Stahlskulpturen von Inger Seemann gibt es aber immer mindestens zwei Falten. Nicht der Objektcharakter, sondern die spezifische räumliche Qualität, die über das Falten entsteht, ist ihr Ausgangspunkt. Über oder vor den so entstandenen Räumen befinden sich geschwungene Stahlstangen, die auf den ersten Blick einen weiteren spielerischen Akzent in die Arbeit hineinbringen. Die Falten öffnen räumliche Zusammenhänge, die für die Stangen zu einem Hintergrund werden. Die Stangen schließen die Räume aber nicht ab, sondern bewegen sich durch sie und entwickeln ihre eigene Dynamik. Auf den zweiten Blick zeigt sich wie sehr gefaltetes Blech und geschwungene Linie eine Einheit bilden, sodass diese Skulpturen, die eindeutig zweiteilig sind, nie als solche wahrgenommen werden. Dieser visuelle Zusammenhang hat weniger mit der vereinheitlichenden Wirkung der Oberflächenbehandlung zu tun als mit einer prinzipiellen in diesen Werken verpackten Aussage: von einer Künstlerin gemacht.

Ilka Rautenstrauch

Zwischenblau

16. Juni bis 05. September 2010

Die Bildhauerin Ilka Rautenstrauch arbeitet ihre figürlichen Skulpturen aus Pappelholz. Es sind menschliche Wesen, die aus dem soliden Holzsockel herauswachsen, auf übergroßen, grob gearbeiteten Füßen stehen. Die Gesichter haben keine individuellen Merkmale und zeigen keine Gefühlsäußerungen. Sie blicken stoisch und rufen doch emotionale Reaktionen hervor. Bei ihren neusten Arbeiten konzentriert sie sich ganz und gar auf geometrische Körperformen und farbige Flächen. „Zwischenblau“ betitelt die Bremer Künstlerin ihre Ausstellung im Pavillon des Gerhard-Marcks-Hauses. Dort präsentiert sie zwei Figuren („Blaue Figur“ und „Figur mit blauen Füßen“) und setzt diese mit einer Kugelschreiber-Wandzeichnung in Korrespondenz. Fragmente aus dem mit feinen, unzähligen Kugelschreiberstrichen bemalte Rücken der „Figur mit blauen Füßen“ werden ganz bewusst auf die Raumwand übertragen. Durch die Strichanhäufungen werden teils verdichtete und teils aufgelockerte Flächen gebildet - es entstehen unbekannte Zwischenräume. Das „Zwischenblau“ lässt den Betrachter in einen „Raum im Raum“ eintauchen.
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Es geht ans Eingemachte

Mensch begegnet Figur

13. Juni bis 05. September 2010

Das Gerhard-Marcks-Haus präsentiert vier zeitgenössische Bildhauer, die Figuren kreieren, die direkt und unmittelbar an Menschen erinnern – mit seinen Stärken und Schwächen. Die monumentalen sowie lebensgroßen Figuren evozieren Mitgefühl, Irritation, aber auch Ablehnung. Für alle vier Künstler gilt, dass sie sich auf sehr unterschiedliche Weise dem Thema Empathie nähern. Die Unterschiede der Werke sind sowohl auf ästhetischer als auch auf formaler Ebene frappant. Beton trifft auf Eisen, Porträthaftigkeit auf Typisierung, alltägliche Bekleidung auf Nacktheit, Stehen und Sitzen auf gespannte Energie und Kraft.

Ausstellende Künstler: Christina Doll (*1972), Iris Kettner (*1968), Jan Ketelaar (*1958) und Markus Keuler (*1969).

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit zwei Essays und Interviews mit den Künstlern zum Preis von 23,- Euro.
Die Podcasts zur Ausstellung können Sie jetzt auch online hören unter kulturg.u.t.
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Skulptur sucht Schule

Prometheus

23. Juni bis 05. September 2010

In Kooperation mit "Kultur vor Ort e.V." in Bremen-Gröpelingen entwickelte das Gerhard-Marcks-Haus das Projekt: "Skulptur sucht Schule" und bringt Kunst aus dem Museum in den Stadtteil, in die Schule. Drei Monate stand Im Foyer der Gesamtschule West Gerhard Marcks' Bronzeplastik "Prometheus und der Zeus- Adler". Das Kunstwerk ist in der Kunstgeschichte und europäischen Bildung fest verankert, aber für Jugendliche ist es vor allem eine eigentümlich brutale Darstellung eines Adlers, der auf einem liegenden Mann steht. Die traditionelle museumspädagogische Herangehensweis würde die Figur erklären, hier ging es darum, dass die Schüler aus Neugier über das Objekt Inhalte selber entdecken, recherchieren und kommunizieren. Die Ausstellung auf der Empore des Gerhard-Marcks-Hauses zeigt erste Ergebnisse des Dialogs.

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Ellen Mäder-Gutz

bella donna

10. März bis 06. Juni 2010

Hier zeigt das Gerhard-Marcks-Haus zeitgenössische Positionen. Auf kleinstem Raum kann hier eine eigenwillige und besondere Werkgruppe zu großer Wirkung kommen. Der Besucher schnuppert ein wenig Atelierluft und stillt seine Neugier an Neuem.

Die Bildhauerin Ellen Mäder-Gutz zeigt im Pavillon des Gerhard-Marcks-Hauses kleine und große Steine aus Speckstein. Sie erinnern an Blumen und Pflanzen, sind aber vor allem einfache Formen, welche die besondere Qualität des Materials, dem Glanz und den eigentümlichen Eindruck, gleichzeitig hart und weich zu sein, betonen. Die Objekte, die eine fast beiläufige Erotik ausstrahlen, hängen an der Wand im Pavillon und evozieren eine Atmosphäre sinnlicher Präsenz und den Wunsch des Berührenswollens.


Das Fundament der Kunst

Die Skulptur und ihr Sockel in der Moderne

07. März bis 30. Mai 2010

Funktioniert die Skulptur auch ohne Unterbau, oder wird sie erst gemeinsam mit diesem zum Kunstwerk? Eine Antwort gibt diese Ausstellung, die sich erstmals umfassend mit der Entwicklung des Bildhauersockels seit Ende des 19. Jahrhunderts bis heute befasst und seine Funktion in der Moderne beleuchtet. Am Anfang steht, wie so oft in der modernen Bildhauerei, Auguste Rodin (1840-1917), der ihn abschaffen wollte. Die nächste Generation (Hans Arp, 1886-1966, Alberto Giacometti, 1901-1966) bezog ihn ein und machte keinen Unterschied zwischen Plastik und Sockel. Eine wiederum jüngere Generation (Stephan Balkenhol, *1957, Sylvie Fleury, *1961, Jonathan Meese, *1970) nahm ihn auf die Schippe und seitdem ist es Künstlern möglich, Objekte der Alltagswelt zur Kunst zu erklären. In über 40 Exponaten von 30 Künstlern begegnen sich in einem weit verzweigten Parcours Figur und Sockel auf erhabene oder profane Weise – augenzwinkernd, kontrovers oder in trauter Harmonie.


Dornburg und umzu

Gerhard Marcks, 1920-1925

04. April bis 30. Mai 2010

Gerhard Marcks (1889-1981) gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Staatlichen Bauhauses in Weimar. Er leitete dort zwischen 1920 und 1925 als Formmeister die Töpferwerkstatt. Diese befand sich nicht in Weimar selbst, sondern in Dornburg an der Saale, wo sich mit Max Krehan (1875-1925) ein kundiger Handwerksmeister und eine geeignete Werkstatt gefunden hatten. Gerhard Marcks arbeitete in dieser Zeit vorwiegend in Holz. Neben den Skulpturen entstand eine große Anzahl von Holzschnitten sowie Zeichnungen, deren Motive die ländliche Umgebung widerspiegeln. Die in der Dornbuger Zeit geschaffenen Werke von Gerhard Marcks rechnet man wie das frühe Bauhaus dem späten Expressionismus zu, obwohl der Bildhauer selbst sich von dieser Kunstrichtung distanzierte.

Berühmt unter den Zeichnungen ist das "Dornburger Skizzenbuch", das von 1920 bis 1923 entstand. In farbigen Stift- Feder- und Pinselzeichnungen sammelte er in ihm Eindrücke und Erlebnisse aus der Umgebung. Teils eingeklebt, teils direkt in das Buch gezeichnet, schuf er mit dem Skizzenbuch ein liebevolles Porträt der Menschen und Landschaften an der Saale. Der Stil der Zeichnungen verbindet dabei abstrakte, ornamentale und auch naive Tendenzen. Wie in der Plastik war Marcks auch in diesen Landschaftsbildern um das Finden einer klaren Struktur bemüht.


Uwe Schloen

"Der Wagen, die Bude, das Bett"

11. März bis 30. April 2010

„Kultur vor Ort“ ist aus einer Initiative Gröpelinger Bürger entstanden und fördert als gemeinnütziger Verein vielfältige Kultur- und Kunstprojekte im Stadtteil. In Zusammenarbeit zwischen „Kultur vor Ort“ und dem Gerhard-Marcks-Haus entstehen im Atelierhaus Roter Hahn Ausstellungen zeitgenössischer Bildhauerei. Der Künstler Uwe Schloen arbeitet mit Silikon und zeigt mit seiner Installation „Der Wagen, die Bude, das Bett“, wie diese Gegenstände über das Material verfremdet werden. Silikon kreiert Distanz, manchmal sogar Ekel, Schönheit und Transparenz. Er zaubert eine fremde Welt, die man dennoch sofort versteht. Es geht dem Künstler nicht darum, das Leben mit Einkaufswagen, Bude und Bett zu ästhetisieren – zu zeigen, als sei es eigentlich ganz schön – sondern darum, ein adäquates Bild zu schaffen.


Gerhart Schreiter

Zum 100. Geburtstag

22. November bis 21. März 2010

Am 20. August 2009 wäre Gerhart Schreiter, dessen Nachlass sich seit zwei Jahren im Gerhard-Marcks-Haus befindet, 100 Jahre alt geworden. Er hinterließ seine Spuren in Berlin und Bremen. Er war kein Pionier, noch zählte er zur Avantgarde. Aber er war empfänglich für Neuerungen und besaß ein ausgesprochenes Formgefühl, so dass seine Werke als modern zu werten sind. Als Lehrer an der Staatlichen Kunstschule Bremen prägte der 1974 verstorbene Bildhauer für knapp 20 Jahre die Kunstlandschaft der Hansestadt. Sein Lebenswerk wird in einer Auswahl typischer Themen und Werke gewürdigt.