Uwe Schloen

"Der Wagen, die Bude, das Bett"

11. März bis 30. April 2010

„Kultur vor Ort“ ist aus einer Initiative Gröpelinger Bürger entstanden und fördert als gemeinnütziger Verein vielfältige Kultur- und Kunstprojekte im Stadtteil. In Zusammenarbeit zwischen „Kultur vor Ort“ und dem Gerhard-Marcks-Haus entstehen im Atelierhaus Roter Hahn Ausstellungen zeitgenössischer Bildhauerei. Der Künstler Uwe Schloen arbeitet mit Silikon und zeigt mit seiner Installation „Der Wagen, die Bude, das Bett“, wie diese Gegenstände über das Material verfremdet werden. Silikon kreiert Distanz, manchmal sogar Ekel, Schönheit und Transparenz. Er zaubert eine fremde Welt, die man dennoch sofort versteht. Es geht dem Künstler nicht darum, das Leben mit Einkaufswagen, Bude und Bett zu ästhetisieren – zu zeigen, als sei es eigentlich ganz schön – sondern darum, ein adäquates Bild zu schaffen.


Das Fundament der Kunst

Die Skulptur und ihr Sockel in der Moderne

07. März bis 30. Mai 2010

Funktioniert die Skulptur auch ohne Unterbau, oder wird sie erst gemeinsam mit diesem zum Kunstwerk? Eine Antwort gibt diese Ausstellung, die sich erstmals umfassend mit der Entwicklung des Bildhauersockels seit Ende des 19. Jahrhunderts bis heute befasst und seine Funktion in der Moderne beleuchtet. Am Anfang steht, wie so oft in der modernen Bildhauerei, Auguste Rodin (1840-1917), der ihn abschaffen wollte. Die nächste Generation (Hans Arp, 1886-1966, Alberto Giacometti, 1901-1966) bezog ihn ein und machte keinen Unterschied zwischen Plastik und Sockel. Eine wiederum jüngere Generation (Stephan Balkenhol, *1957, Sylvie Fleury, *1961, Jonathan Meese, *1970) nahm ihn auf die Schippe und seitdem ist es Künstlern möglich, Objekte der Alltagswelt zur Kunst zu erklären. In über 40 Exponaten von 30 Künstlern begegnen sich in einem weit verzweigten Parcours Figur und Sockel auf erhabene oder profane Weise – augenzwinkernd, kontrovers oder in trauter Harmonie.


Gerhart Schreiter

Zum 100. Geburtstag

22. November bis 21. März 2010

Am 20. August 2009 wäre Gerhart Schreiter, dessen Nachlass sich seit zwei Jahren im Gerhard-Marcks-Haus befindet, 100 Jahre alt geworden. Er hinterließ seine Spuren in Berlin und Bremen. Er war kein Pionier, noch zählte er zur Avantgarde. Aber er war empfänglich für Neuerungen und besaß ein ausgesprochenes Formgefühl, so dass seine Werke als modern zu werten sind. Als Lehrer an der Staatlichen Kunstschule Bremen prägte der 1974 verstorbene Bildhauer für knapp 20 Jahre die Kunstlandschaft der Hansestadt. Sein Lebenswerk wird in einer Auswahl typischer Themen und Werke gewürdigt.


Ellen Mäder-Gutz

bella donna

10. März bis 06. Juni 2010

Hier zeigt das Gerhard-Marcks-Haus zeitgenössische Positionen. Auf kleinstem Raum kann hier eine eigenwillige und besondere Werkgruppe zu großer Wirkung kommen. Der Besucher schnuppert ein wenig Atelierluft und stillt seine Neugier an Neuem.

Die Bildhauerin Ellen Mäder-Gutz zeigt im Pavillon des Gerhard-Marcks-Hauses kleine und große Steine aus Speckstein. Sie erinnern an Blumen und Pflanzen, sind aber vor allem einfache Formen, welche die besondere Qualität des Materials, dem Glanz und den eigentümlichen Eindruck, gleichzeitig hart und weich zu sein, betonen. Die Objekte, die eine fast beiläufige Erotik ausstrahlen, hängen an der Wand im Pavillon und evozieren eine Atmosphäre sinnlicher Präsenz und den Wunsch des Berührenswollens.


Der Traum des Bildhauers:

Johan Tahon

26. September bis 09. Januar 2011

Der belgische Bildhauer Johan Tahon (geboren 1965) baut mit seinen figürlichen Plastiken Brücken. Brücken hin zu einer anderen Seite des menschlichen Daseins, jenseits der sichtbaren Realität. Seinem obsessiven Gestaltungsdrang folgend, versucht er Träume, Fantasien und Bilder aus der Welt des Unbewussten sichtbar werden zu lassen. Als erstes Museum in Deutschland widmet das Gerhard-Marcks-Haus Johan Tahon eine umfassende Einzelausstellung. Sie entsteht in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler.

In seinen fabrikhallengroßen Ateliers in Belgien und in der Türkei entstehen meterhohe Gipsskulpturen, oft lang gezo­gene menschen- und tierähnliche Gebilde, Körper mit aus­gestreckten Armen ohne Hände, Tiere, die zu biomorphen Gestalten mutieren oder geometrischen Formen, die in ihrer Struktur auf die Unendlichkeit des Universums verweisen. Durch das Mittel der Assemblage gelingt es ihm, die erzählerische Kohärenz der Figuren radikal zu durchbrechen und neue Bedeutungszusammenhänge zu evozieren.

Johan Tahon, der ebenso an klassischen Techniken der Bildhauerei festhält, wie er sie gleichzeitig bricht und neu erfindet, formt zwei Wochen vor Ausstellungsbeginn in den Räumen des Gerhard-Marcks-Hauses seine Skulpturen zur endgültigen Fassung. Über den skelettartigen Unterbau seiner Figuren wird mit der Hand oder mit Spachteln der Gips zu einer haptischen Struktur modelliert, das hart gewordene Material mit dem Hammer beschlagen. Dieser Prozess mündet schließlich in einer Ausstellung als ultimatives Bild.

Johan Tahon, 1965 in Menen, Belgien, geboren, studierte in Gent an der Königlichen Akademie der Schönen Künste Bildhauerei. Er lebt und arbeitet im belgischen Oudenaarde. Seit seiner Entdeckung durch den künstlerischen Leiter der Documenta IX, Jan Hoet, wurde sein Werk durch Ausstellungen in Belgien sowie in den Niederlanden und den USA gewürdigt. Zahlreiche Werke wurden in den letzten Jahren von öffentlichen Sammlungen erworben.

Einen Beitrag über die Ausstellung finden Sie hier.


Dornburg und umzu

Gerhard Marcks, 1920-1925

04. April bis 30. Mai 2010

Gerhard Marcks (1889-1981) gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Staatlichen Bauhauses in Weimar. Er leitete dort zwischen 1920 und 1925 als Formmeister die Töpferwerkstatt. Diese befand sich nicht in Weimar selbst, sondern in Dornburg an der Saale, wo sich mit Max Krehan (1875-1925) ein kundiger Handwerksmeister und eine geeignete Werkstatt gefunden hatten. Gerhard Marcks arbeitete in dieser Zeit vorwiegend in Holz. Neben den Skulpturen entstand eine große Anzahl von Holzschnitten sowie Zeichnungen, deren Motive die ländliche Umgebung widerspiegeln. Die in der Dornbuger Zeit geschaffenen Werke von Gerhard Marcks rechnet man wie das frühe Bauhaus dem späten Expressionismus zu, obwohl der Bildhauer selbst sich von dieser Kunstrichtung distanzierte.

Berühmt unter den Zeichnungen ist das "Dornburger Skizzenbuch", das von 1920 bis 1923 entstand. In farbigen Stift- Feder- und Pinselzeichnungen sammelte er in ihm Eindrücke und Erlebnisse aus der Umgebung. Teils eingeklebt, teils direkt in das Buch gezeichnet, schuf er mit dem Skizzenbuch ein liebevolles Porträt der Menschen und Landschaften an der Saale. Der Stil der Zeichnungen verbindet dabei abstrakte, ornamentale und auch naive Tendenzen. Wie in der Plastik war Marcks auch in diesen Landschaftsbildern um das Finden einer klaren Struktur bemüht.


Ilka Rautenstrauch

Zwischenblau

16. Juni bis 05. September 2010

Die Bildhauerin Ilka Rautenstrauch arbeitet ihre figürlichen Skulpturen aus Pappelholz. Es sind menschliche Wesen, die aus dem soliden Holzsockel herauswachsen, auf übergroßen, grob gearbeiteten Füßen stehen. Die Gesichter haben keine individuellen Merkmale und zeigen keine Gefühlsäußerungen. Sie blicken stoisch und rufen doch emotionale Reaktionen hervor. Bei ihren neusten Arbeiten konzentriert sie sich ganz und gar auf geometrische Körperformen und farbige Flächen. „Zwischenblau“ betitelt die Bremer Künstlerin ihre Ausstellung im Pavillon des Gerhard-Marcks-Hauses. Dort präsentiert sie zwei Figuren („Blaue Figur“ und „Figur mit blauen Füßen“) und setzt diese mit einer Kugelschreiber-Wandzeichnung in Korrespondenz. Fragmente aus dem mit feinen, unzähligen Kugelschreiberstrichen bemalte Rücken der „Figur mit blauen Füßen“ werden ganz bewusst auf die Raumwand übertragen. Durch die Strichanhäufungen werden teils verdichtete und teils aufgelockerte Flächen gebildet - es entstehen unbekannte Zwischenräume. Das „Zwischenblau“ lässt den Betrachter in einen „Raum im Raum“ eintauchen.
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Es geht ans Eingemachte

Mensch begegnet Figur

13. Juni bis 05. September 2010

Das Gerhard-Marcks-Haus präsentiert vier zeitgenössische Bildhauer, die Figuren kreieren, die direkt und unmittelbar an Menschen erinnern – mit seinen Stärken und Schwächen. Die monumentalen sowie lebensgroßen Figuren evozieren Mitgefühl, Irritation, aber auch Ablehnung. Für alle vier Künstler gilt, dass sie sich auf sehr unterschiedliche Weise dem Thema Empathie nähern. Die Unterschiede der Werke sind sowohl auf ästhetischer als auch auf formaler Ebene frappant. Beton trifft auf Eisen, Porträthaftigkeit auf Typisierung, alltägliche Bekleidung auf Nacktheit, Stehen und Sitzen auf gespannte Energie und Kraft.

Ausstellende Künstler: Christina Doll (*1972), Iris Kettner (*1968), Jan Ketelaar (*1958) und Markus Keuler (*1969).

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit zwei Essays und Interviews mit den Künstlern zum Preis von 23,- Euro.
Die Podcasts zur Ausstellung können Sie jetzt auch online hören unter kulturg.u.t.
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Skulptur sucht Schule

Prometheus

23. Juni bis 05. September 2010

In Kooperation mit "Kultur vor Ort e.V." in Bremen-Gröpelingen entwickelte das Gerhard-Marcks-Haus das Projekt: "Skulptur sucht Schule" und bringt Kunst aus dem Museum in den Stadtteil, in die Schule. Drei Monate stand Im Foyer der Gesamtschule West Gerhard Marcks' Bronzeplastik "Prometheus und der Zeus- Adler". Das Kunstwerk ist in der Kunstgeschichte und europäischen Bildung fest verankert, aber für Jugendliche ist es vor allem eine eigentümlich brutale Darstellung eines Adlers, der auf einem liegenden Mann steht. Die traditionelle museumspädagogische Herangehensweis würde die Figur erklären, hier ging es darum, dass die Schüler aus Neugier über das Objekt Inhalte selber entdecken, recherchieren und kommunizieren. Die Ausstellung auf der Empore des Gerhard-Marcks-Hauses zeigt erste Ergebnisse des Dialogs.

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Dauerbrenner Mytholgie

Mythologisches bei Marcks

23. Juni bis 09. Januar 2011

Ausgangspunkt der Ausstellung ist die im Todesjahr von Gerhard Marcks (1889–1981) entstandene Bronzeplastik „Prometheus und der Zeus-Adler“. Die Bronze wurde im Rahmen des neuen museumspädagogischen Konzepts „Skulptur sucht Schule“ drei Monate lang in der Gesamtschule West in Bremen-Gröpelingen ausgestellt. Schüler bekamen dadurch die Möglichkeit einer unmittelbaren inhaltlichen wie künstlerischen Auseinandersetzung mit einem Kunstwerk der klassischen Moderne über einen längeren Zeitraum hinweg. Neben dem künstlerischen Objekt an sich, galt es selbständig ein Thema des klassischen Bildungskanons zu erschließen: einen Mythos, der stets fundamentale Themen der Menschheit verhandelt. Außerhalb des regulären Lehrplans, ohne klassisch humanistische Vorbildung, allein durch selbstendeckendes Lernen und der unvoreingenommenen Neugierde am Unbekannten bleibt so Mythologie bis heute ein „Dauerbrenner“.

Die Figur des Prometheus stellt den Endpunkt in Gerhard Marcks‘ Beschäftigung mit Themen der Antike dar. Marcks, der sich einst selbst als einen „unbedingten Griechenlandverehrer“ bezeichnet hatte, schränkte dies zu gleich ein: nicht den bewegt-dramatischen Skulpturen des Hellenismus‘ galt seine Bewunderung, sondern den formstrengen Werken der griechischen Archaik und Frühklassik. Der humanistisch gebildete Künstler Marcks pflegte in seiner Beschäftigung mit der antiken Bildenden Kunst, Literatur und Philosophie eine visuelle wie intellektuelle Auseinandersetzung gleichermaßen. Dabei berücksichtigte diese sowohl die tatsächlich überlieferten künstlerischen Werke der Griechen, als auch deren Erforschung durch die damals aktuelle Altertumswissen- schaft.

Noch vor seiner prägenden Griechenlandreise 1928 entstand die Figur des antiken Riesen „Antäus“. Doch ähnlich wie in seinem Werk „Tantalus“ oder „Atlastochter“ stehen hier weniger die Illustrationen der mythologischen Erzählungen im Vordergrund, als vielmehr die Darstellungen grundlegender tektonischer Gestaltungsfragen einer knienden, sitzenden bzw. stehenden Figur.

Am Ausgangspunkt der „Drei Grazien“ steht zwar das im archäologischen Nationalmuseum Neapel aufbewahrte pompejianische Fresko der antiken Göttinnen; doch weniger die direkte Ausein- andersetzung mit dem antiken Vorbild, als die plastische Gestaltung eines differenzierten Standbein- Spielbeinmotivs und einer ausgewogenen Gruppendarstellung spielten für Gerhard Marcks eine Rolle.

Vom 6. bis 25. September 2010 ist die Ausstellung wegen Umbau der Hauptausstellung nicht zugänglich!


Thomas Duttenhoefer

Menschliches aus der Mythologie

26. September bis 09. Januar 2011

Nach Köpfen, Torsi, Madonnen, Stieren, Bischöfen und Märtyrern gilt Thomas Duttenhoefers (geboren 1950) Interesse nun den Gestalten der antiken Mythologie. Dieser neue inhaltliche Schwerpunkt entspricht der Vorliebe des Künstlers an der Kreatur mit all ihren Nöten und all ihrer Verletzbarkeit. Er greift damit auf einen Fundus zurück, der in der europäischen Kunstgeschichte wohl verankert ist. Am breiten Rezeptionsstrang ursächlich beteiligt ist der römische Dichter Publius Ovidius Naso (43 v. Chr. – 18 n. Chr.), der kurz nach der Zeitenwende die „Metamorphosen“ verfasste, die zu einem der am meisten gelesenen und einflussreichsten Werke der Literaturgeschichte avancierten. Unter dem Leitthema der Verwandlung trug er in diesem Epos die antiken Mythen in ihrer ganzen Breite zusammen.

Der spielerische, humorvolle und dahineilende Duktus des umfangreichen Gedichts lässt die psychologische Tiefe der geschilderten Figuren jedoch oft vergessen. Denn selbstverständlich verhandeln Mythen höchst komplexe und auch tragische Schicksale: der Übergang von der einen Existenz in die andere liest sich oft genug als Tod. Zu erinnern wäre hier beispielsweise an Actaion, der die Göttin Diana beim Bade überraschte, von ihr zur Strafe in einen Hirsch verwandelt und von seinen eigenen Hunden zerrissen wurde.

Genau diese Tragik der Protagonisten macht sie für Thomas Duttenhoefer interessant und gestaltenswert. Denn alle Themen, denen er sich bisher zuwandte und alle Schöpfungen, die daraus entstanden, kreisen stets um die eine – existentielle – Grundidee: um die auf sich zurückgeworfene Kreatur, die hin und her gerissen ist zwischen einem unbändigen Willen zum Leben und der Erkenntnis, das jedes Leben von Verletzungen gezeichnet und schließlich endlich ist.

Die Ausstellung auf der Empore des Gerhard-Marcks-Hauses zeigt eine Auswahl seiner neusten mythologischen Arbeiten. Minotaurus, Pan und die Kentauren kommen nicht nur als Einzelfiguren daher, sondern auch als Gruppen. Es sind Hybride: Menschliche Reflektion trifft auf tierischen Trieb. Dabei ist Duttenhoefer zur klassischen Technik des Modellierens mit einer stark aufgerissenen Oberfläche zurückgekehrt und hat den antiken Mythen ihre archaische Realität zurückgeben!


Inger Seemann

Raumfalten

15. September bis 05. Dezember 2010

Inger Seemann faltet Stahlblechplatten. Bereits in diesem kurzen Satz ist sehr viel Grundsätzliches enthalten. Die meisten Künstler lassen Stahl falten, was zwar oft beeindruckend aussieht, den Künstler aber als Organisator und nicht als Macher ausweist. Natürlich ist Handwerk kein Merkmal der Kunst, aber in manchen Fällen entsteht über Arbeit ein bestimmter Inhalt. Nur wenige abstrakte Stahlskulpturen vermitteln den Eindruck, als habe ein Mensch sie gemacht, oder stärker sogar, beim Material Stahl gehen Betrachter quasi automatisch von einer industriellen Fertigung aus. Dass Metall per Hand geschmiedet und gebogen werden kann, wissen heute nur noch wenige - Inger Seemann zeigt es mit ihren Skulpturen.Und während Metall meistens Schwere ausdrückt, vermitteln die Falten (die an Papier erinnern) ihrer Figuren Leichtigkeit und Schwerelosigkeit.

Jede Falte gibt einer Fläche eine räumliche Dimension. Dieser Übergang von der Fläche in den Raum hinein gehört zu den zentralen Themen der modernen Bildhauerei. Dahinter steckt die grundsätzliche Frage, was denn eigentlich Bildhauerei ist und wo – im theoretischen und im praktischen Sinne – ihre Grenzen verlaufen. Traditionell spielt der Kategorienwechsel von der Fläche zum Objekt keine große Rolle: Eine Bildidee wurde gezeichnet und später in einem anderen Material räumlich umgesetzt. Das Medium war bloßer Träger, und erst als in der Moderne die besonderen Qualitäten des Mediums selbst zum Thema der Kunst wurden, entdeckte man die Grenze zwischen den Medien als Problem- und Spielfeld. Es zeigte sich, dass die Grenzen gar nicht so fest sind, wie es die klassizistische Theorie vermuten ließ, und dass auch ein Blatt Papier eine Plastik sein kann: Eine Falte genügt.

In den Stahlskulpturen von Inger Seemann gibt es aber immer mindestens zwei Falten. Nicht der Objektcharakter, sondern die spezifische räumliche Qualität, die über das Falten entsteht, ist ihr Ausgangspunkt. Über oder vor den so entstandenen Räumen befinden sich geschwungene Stahlstangen, die auf den ersten Blick einen weiteren spielerischen Akzent in die Arbeit hineinbringen. Die Falten öffnen räumliche Zusammenhänge, die für die Stangen zu einem Hintergrund werden. Die Stangen schließen die Räume aber nicht ab, sondern bewegen sich durch sie und entwickeln ihre eigene Dynamik. Auf den zweiten Blick zeigt sich wie sehr gefaltetes Blech und geschwungene Linie eine Einheit bilden, sodass diese Skulpturen, die eindeutig zweiteilig sind, nie als solche wahrgenommen werden. Dieser visuelle Zusammenhang hat weniger mit der vereinheitlichenden Wirkung der Oberflächenbehandlung zu tun als mit einer prinzipiellen in diesen Werken verpackten Aussage: von einer Künstlerin gemacht.


Feininger & Marcks

Tradition aus dem Bauhaus

23. Januar bis 25. April 2011

Zwei internationale Künstlerpersönlichkeiten, ein vielfältiges Beziehungsgeflecht, eine einzigartige Ausstellung: Den Maler Lyonel Feininger (1871-1956) und den Bildhauer Gerhard Marcks (1889-1981) verband eine langjährige Freundschaft, beide erwiesen sich dabei als kritische Beobachter des jeweils anderen Œuvres. In der Gegenüberstellung von Malerei, Plastik und Grafik (132 Exponate) verdeutlicht die Schau ihre gemeinsame Vernetzung in der Kunstentwicklung vom deutschen Spätexpressionismus bis hin zu den Abstraktionstendenzen der 1950er Jahre.

„Maß“ - halten, ein Schlüsselbegriff von Gerhard Marcks, mit dem er seine Vorstellungen von Verhältnismäßigkeit und innerer Formgebundenheit zusammenfasste, trifft auch auf die Werke Lyonel Feiningers zu. Oder, wie es letzterer formulierte: „Die einfachste Form für einen andauernd gültigen Bildausdruck erreichen“.

Lyonel Feininger und Gerhard Marcks hatten sich 1919 am Staatlichen Bauhaus in Weimar kennen gelernt, wo sie als Formmeister von Druckerei und Töpferei tätig waren. 1925 trennten sich ihre Wege. Marcks ging an die Burg Giebichenstein in Halle, Feininger zog mit dem Bauhaus nach Dessau. Feiningers Besuche während seiner Arbeit am Hallezyklus 1929 bis 1931 sowie beider Aufenthalte in Berlin seit 1932/33 boten Anknüpfungspunkte. Für beide wurde die Ostsee seit der Mitte der 1920er Jahre zu einem künstlerisch inspirierenden Rückzugsraum.

1937 siedelte Lyonel Feininger nach New York um. Gerhard Marcks verbrachte die Phase des Kriegs an der Ostsee sowie in Berlin. Seit 1950 lebte er in Köln. Beide eroberten den amerikanischen Kunstmarkt. Ein Zentrum bildete dabei der Kunsthändler Carl Valentin in New York, der beide Künstler ausstellte. 1948 setzte ein regelmäßiger, bis zum Tod Feiningers geführter Briefwechsel zwischen den beiden ein.
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gerhardWER?

Marcks: Mehr als die Stadtmusikanten!

08. Mai bis 07. August 2011

Suchen Sie sich Ihren Lieblingsmarcks aus! Bei uns im Depot (telefonische Terminvereinbarung unter 0421/32 72 00) oder in unserer neuen Datenbankwww.marcks.de/suche.aspx.Senden Sie uns Ihren Favoriten mit einer spontanen Begründung Ihrer Wahl als E-Mail an: meinmarcks@marcks.de

„Man hat mich als Expressionisten gelten lassen, als Entarteten gebrandmarkt, als Klassizisten beiseite gelegt und als Realisten wieder hergeholt“. Diese denkbar kurze und prägnante autobiografische Bemerkung stammt aus der Feder von Gerhard Marcks — einem der bedeutendsten Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Sein Œuvre befindet sich seit vierzig Jahren in der Obhut des Gerhard-Marcks-Hauses: eine der größten Ein-Künstler-Sammlungen weltweit. Charakteristisch für Marcks ist, dass er in seinen Werken immer Gegensätze miteinander verbindet. Es gelingt ihm, die wilde, oft chaotisch anmutende Vielfalt der Natur in ruhigen, kubischen Formen darzustellen. Die Mischung aus Geometrie und Gefühl macht seine Skulpturen unverwechselbar.

Die Ausstellung präsentiert spielerisch die Spannbreite dessen, was Gerhard Marcks (1889 – 1981) in acht Jahrzehnten schuf. »gerhardWER« wird keine traditionelle Schau: Das Aufbereiten der eigenen Sammlung gehört zu den Kernaufgaben eines Museums. Diese Arbeit spielt sich wie alle wissenschaftliche Arbeit meistens im Hintergrund ab. Für die Ausstellung „gerhardWER“? wird dies umgedreht: Besucher werden eingeladen, Werke auszusuchen und Fragen dazu zu formulieren. Die Mitarbeiter des Museums präsentieren aus den Werken und den Antworten eine sich ständig ändernde Ausstellung zu Gerhard Marcks.

Mit dieser Ausstellung beginnend wird im Lauf der nächsten Jahre die komplette Sammlung des Museums über das Internet erschlossen. Nicht nur Wissenschaftler, sondern alle Besucher und Kunstinteressierte erhalten weltweit einen Einblick in die Sammlung.

Für die großzügige Unterstützung von Ausstellung und Datenbank danken wir der Bremer Landesbank, Trenz AG und dem Freundeskreises des Gerhard-Marcks-Hauses e. V.

Bildunterschriften: Gerhard Marcks, Pan und Nymphe, 1928, Gerhard Marcks, Hockende Frau, 1953


Gertrud Schleising

Penthouse

15. Dezember bis 06. März 2011

Gertrud Schleising hat ihre Collagen um eine Dimension erweitert. Aus den kommentierten Szenen und ironischen Erzählungen auf einem Blatt Papier wurden Gebäude aus Styropor. Die Geschichten im Raum sind viel konkreter als die auf einem Blatt und gleichzeitig sind sie offener. Die eine Dimension mehr macht`s. Konkret werden sie, weil die Fundstücke und Papierschnipsel immer mit Wohnen und vor allem mit dem Versprechen von schöner Wohnen verbunden werden. Die Utensilien für Hochglanzglück können die Beziehungen, Dramen und Geschichten, die sich in diesen Räumen abspielen, jedoch nicht verdecken, so dass aus jedem neuen Blickwinkel ein neuer Aspekt des wirklichen Lebens im Penthouse aufscheint.

Die Methode der Künstlerin, bei der Abfälle zu Bedeutungsträgern werden, macht vor allem sichtbar, wie sehr die Illusion zum Material einer Konsumgesellschaft geworden ist. Man bedenke: Inzwischen werden in dieser Gesellschaft vornehmlich Illusionen konsumiert, was langfristig weder Hunger noch andere Gefühle der Leere lösen wird. Über den Umweg des scheinbar Kindlichen und Naiven hat Gertrud Schleising einen Weg gefunden, heute etwas analog zur moralistischen Kunst des frühen Bürgertums zu schaffen: Der Betrachter sieht sich und seine Gesellschaft.


Der Traum der Frau

Weibliche Aktfiguren bei Waldemar Grzimek

23. Januar bis 25. April 2011

Der weibliche Akt ist als Studienobjekt seit jeher ein zentrales Thema der Bildhauerei. Aus dem 2005 ins Gerhard Marcks-Haus gekommenen Nachlass von Waldemar Grzimek werden Frauenfiguren aus drei Jahrzehnten (aus den Vierziger- bis Siebzigerjahren) gezeigt. Anhand dieser kann exemplarisch die bildhauerische Entwicklung des Künstlers nachvollzogen werden.

Nach autodidaktischen Anfängen knüpfte Grzimek schon bald erste Kontakte zur Berliner Bildhauerschule: Richard Scheibe (1897–1964) und Gerhard Marcks (1889–1981) wurden fortan zu seinen wichtigsten Mentoren und lebenslang geschätzten Kollegen. Beide erkannten und förderten früh das Talent des jungen Bildhauers. Auf Anraten Scheibes studierte Waldemar Grzimek bei Wilhelm Gerstel (1897–1963) an der Hochschule für bildende Künste in Berlin. Dem konstruktiven Naturstudium seines Lehrers Gerstel geschuldet, zeichnen sich die frühen Werke Grzimeks durch eine statuarische Strenge aus. Wie die „Erwachende“ zeigt, werden narrative Motive oft in ausbalancierten Kompositionen festgehalten. Mit dem Beginn der Sechzigerjahre vollzieht sich ein eklatanter künstlerischer Wandel: Weniger die äußere Konstruktion einer Figur, als vielmehr ihre innere Befindlichkeit fordert Grzimeks Aufmerksamkeit. Erste Ansätze der zunehmend bewegten Formensprache vermittelt sein „Torso“ aus dem Jahr 1959. Die hier noch weitestgehend geglättete Oberflächengestaltung weicht in seinen späteren Werken einem unruhigen „Modelé“. Tanz und Bewegung werden zu Grzimeks bevorzugten Themen, die gestalterischen Möglichkeiten von Körper und Raum auszuloten.

In zahlreichen Zeichnungen nähert sich Waldemar Grzimek seinen plastischen Ideen. Modellstudien und Entwurfsskizzen werden vor allem im Spätwerk zunehmend wichtig, als das eigentliche Modellieren nach dem lebenden Modell wegen der starken Verdrehungen seiner Figuren nahezu unmöglich wird. Die Weiterentwicklung der Zeichnungen im Medium der Lithografie macht jedoch auf ihre künstlerische Eigenständigkeit aufmerksam.


Zwischenwesen

Ulla Reiter: Skulpturen aus Schaumstoff

08. Mai bis 07. August 2011

Das Gerhard-Marcks-Haus in Bremen ist das Museum für moderne und zeitgenössische Bildhauerei. Ausgehend von seinem Stifter Gerhard Marcks (1889–1981) hat es sich der besonderen Tradition der figürlichen Bildhauerei verpflichtet. Parallel zu der Ausstellung „GerhardWER?“ zeigt das Gerhard-Marcks-Haus nun mit Ulla Reiter (geb. 1979) eine junge Position dieser Richtung.

Die Bildhauerin inszeniert ein Spiegelkabinett der menschlichen Eitelkeiten, der Urtriebe und Macht. Ihre Protagonisten sind allesamt überlebensgroß und wurzeln in alten mythischen Erzählungen ebenso wie in aktuellen Comic- und Computerspielwelten.

Raum füllend und mit angespannter Kraft treten die Apokalyptischen Reiter (2008) dem Betrachter entgegen. Mit wehender Mähne und geblähten Nüstern scheint das Pferd geradewegs bereit, den Ritt mit seinen beiden gerüsteten Begleitern wieder aufzunehmen. Statische Ruhe und Überlegenheit strahlt hingegen die gekrönte Personifikation der Wolllust (2010) aus, deren entblößten Brüste sich in lachende Fratzen verwandeln.

Ulla Reiters Figuren treffen den Betrachter mit Wucht: Sie verblüffen und irritieren zugleich. Widerspruch erzeugt die Künstlerin in erster Linie über das Material, denn die martialisch stark erscheinenden Giganten sind allesamt aus weichem Schaumstoff. Sie werden in klassischer Bildhauertechnik mit Weberschere, Sezierbesteck und zweckentfremdetem Dönermesser direkt aus dem Block gearbeitet und mit grafischen Strukturen zum Teil farbig gefasst. Barocken Überwältigungsstrategien folgend, setzt die Bildhauerin dabei Volumen und ornamentale Fülle gezielt ein und lässt die Grenze zwischen dreidimensional Präsentem und malerischer Illusion verschwimmen.

Bildunterschrift: Ulla Reiter, Apokalyptische Reiter, 2008, Schaumstoff


Claudia Christoffel

Das Fundament der Kunst revisited

16. März bis 22. Mai 2011

Claudia Christoffel hat sich genau vor einem Jahr in die Ausstellung „Sockel – das Fundament der Kunst“ mit ihren „temporären skulpturalen Setzungen“ eingeschlichen. Die Fotografien dieser parasitären Arbeit werden im Pavillon ausgestellt.

Die Künstlerin entwickelt in ihrer Arbeit "Temporäre skulpturale Setzungen" (2007 in New York) eine Serie weiter, die während ihres Erasmus-Stipendiums 2003 in Reykjavik und ihrem dortigen Studium bei Roni Horn ihren Ausgangspunkt genommen hatte. Im Sonderangebot gekaufte Kartierungsnadeln waren der Auslöser für eine offene Serie, in der Claudia Christoffel diese Nadeln an Orten und/oder Objekten setzte, die in irgendeiner Weise mit den Stationen ihres künstlerischen Schaffens verbunden sind. Ein alltäglicher Gegenstand wird verwendet, künstlerische Eingriffe vorzunehmen. Im Falle der Nadeln sind diese Eingriffe temporär und flüchtig – nichts weiter als eine Spur, die an ihrem originalen Schauplatz häufig kaum registriert wird. Einzig die Fotografie zeugt von ihrem einstigen Vorhandensein. Seit 2006 hat sie diese Setzungen ausgedehnt auf die Büros verschiedener Kuratoren und Institutsleiter. In dieser Arbeit vermischen sich genreübergreifend das Moment der spontanen Aktion, das Entstehen einer skulpturalen Erscheinung, die fotografische Dokumentation, und schließlich die Zerstörung durch die Künstlerin selbst.

Zusätzlich zu der Ausstellung im Pavillon, die sichtbar macht, was der eine oder andere Besucher vor einem Jahr vielleicht nur durch Zufall entdeckt hat, werden auch in der Ausstellung „Feininger & Marcks - Tradition aus dem Bauhaus“ skulpturale Setzungen für den aufmerksamen Besucher zu entdecken sein.

Bildunterschrift:
Claudia Christoffel, Im Foyer des Gerhard-Marcks-Hauses, 2010
Aus der Serie "Temporäre skulpturale Setzungen"


Der Zoo von Gerhard Marcks

Eisbär, Ziege und Kamel zu Besuch in Gröpelingen

17. Februar bis 05. April 2011

Für Ziege, Eisbär, Pinguin und Kamel rollt sich der grüne Teppich im Atelierhaus Roter Hahn aus und die Türen des Ateliers öffnen sich für Kindergruppen, um nach einem gemeinsamen Ausstellungsbesuch im „Zoo von Gerhard Marcks“ selbst Lieblingstiere zu formen, zu bauen und zu gestalten.

Gerhard Marcks (1889-1981) wollte in seiner Bildhauerei Natur nicht bloß abbilden, sondern, wie er es nannte „eine Form“ dafür finden. Er suchte nach einer vereinfachten Darstellung, die dennoch das typische von Mensch oder Tier zeigte. Marcks’ Figuren sind dadurch gleichzeitig natürlich und streng.

Die Ausstellung „Der Zoo von Gerhard Marcks“ zeigt Tierplastiken und Zeichnungen, die diese Suche dokumentieren. Sie ermöglichen Kindern neben der intensiven Betrachtung der eindrucksvollen Skulpturen eine künstlerische Recherchereise zu geometrische Formen und Abstraktion.In den Workshops lernen Kinder zwischen fünf und sieben Jahren nicht nur die marck’schen Ziegen, Schafe und Kühe kennen. Sie gestalten und formen in Workshops selbst ihr Lieblingstier.

Im Rahmen dieser praktischen Umsetzung soll den Kindern auf vielfältige Weise die Abstraktion der Form bei Marcks näher gebracht werden. Ausgehend von geometrischen Grundformen werden mit den Kindern im Atelierhaus sowie im Atelier des Museums zwei- und dreidimensionale Fantasietiere gestaltet.Am Ende des Projekts werden die entstandenen Werke der Kinder aus Gröpelingen schließlich im Mai in der Ausstellung „Gerhard wer?“ im Gerhard Marcks Haus zu sehen sein.

Nach dem Projekt „Skulptur sucht Schule“ (2009/2010) ist die Ausstellung „Der Zoo von Gerhard Marcks“ die zweite Ausstellungskooperation mit kunstpädagogischem Programm des Gerhard- Marcks- Hauses mit Kultur Vor Ort e.V.

Sie eröffnet insbesondere Kindergruppen und Schulklassen aus Gröpelingen durch die Unterstützung der Heinz und Ilse-Bühnen-Stiftung, eine altersgemäße künstlerische Produktion mit Ausstellungs- und Atelierbesuchen sowie einer Beteiligung an dem Ausstellungsprojekt „Gerhard wer?“ im Gerhard Marcks Haus.

Anmeldung für die Workshops unter: info@kultur-vor-ort.com
Eine Veranstaltung von Kultur Vor Ort und dem Gerhard Marcks Haus mit Unterstützung der Heinz und Ilse-Bühnen-Stiftung.

Ausstellungsort: Atelierhaus Roter Hahn, Gröpelinger Herrstraße 226, 28237 Bremen,
Telefon: 0421 619 77 27, Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8 bis 18 Uhr


Kunstfrühling 2011

06. Mai bis 05. Juni 2011

Vom 6. Mai bis 5. Juni 2011 verwandelt sich die alte Gleishalle am Güterbahnhof in Bremen wieder zu einem Drehkreuz zeitgenössischer Kunst aus der Metropolregion Bremen-Oldenburg und Hannover . Das Gerhard-Marcks-Haus ist dort mit einer eigenen Präsentation vertreten.


Der Bildhauer Dietrich Heller untersucht in seinen (über)lebensgroßen Steinskulpturen
das Zusammenspiel von Form, Raum und Wahrnehmung. Gegen Ad Reinhardts berühmte
ironische Bemerkung, eine Plastik sei etwas, worüber man beim Betrachten eines Gemäldes
stolpere, setzt Heller die einfache Beobachtung, dass, wer auf eine Plastik schaut, die Chance
hat, viel mehr zu sehen.

Dietrich Heller, geboren 1965 in Gießen, lebt und arbeitet in Bremen


Bildunterschrift:
Dietrich Heller: Entwurf für den Kunsfrühling 2011
Collage, 29 x 42 cm


Benjamin Beßlich

"Nichts Besonderes"

01. Juni bis 07. August 2011

Guckkästen, Installationen, Malerei und Fotogramme – mit unterschiedlichen Medien umkreisen die Arbeiten von Benjamin Beßlich das Thema Natur. Bei der Gestaltung seiner Kunstwerke schaut er aber nicht nur durch die künstlerische Brille – sein wissenschaftlicher, distanziert sezierender Blick auf die Natur lotet ästhetische Möglichkeiten spielerisch, experimentell und variantenreich aus.

In der eigens für den Pavillon des Gerhard-Marcks-Hauses entwickelten Installation tritt dem Betrachter die lebendige Natur in kleinen, durchsichtigen Plastikkugeln entgegen. Etwas Erde, Wasser, Gras, Mikroorganismen und ab und zu ein größeres Tierchen bilden zusammen ein Biotop, das sich im Verlaufe der Zeit verändert, das aber vollständig autark ist. Manche dieser Kleinstwelten stammen noch aus der experimentellen Anfangsphase des Projektes und sind mittlerweile zwei Jahre alt! Sie zeugen vom Gleichgewicht, in dem sich die Natur unter günstigen Umständen befindet - wenn man sie denn lässt. Diese Idee einer fragilen aber vorhandenen Eigenständigkeit wird durch die weiteren Elemente der Installation noch unterstützt. Die kleinen Sphären schweben nicht alleine im Raum, sondern werden von schützenden Gebilden aus gebogenen Ästen und darüber gespanntem Papier umgeben.

Für interessierte Besucher liegt ein Text eines ausgewiesenen Naturwissenschaftlers zu den Veränderungen in den Kugeln aus. Die naturwissenschaftliche Nüchternheit beschränkt sich jedoch auf diesen Text. Der Künstler strebt hingegen eine poetische Kunsterfahrung an, um Raum für Assoziationen, Neugierde und Nachdenklichkeit zu schaffen.

Ergänzt wird die Installation mit Fotos aus früheren Experimentreihen des Künstlers. Die Fenster im Pavillon sind mit durchscheinenden stark vergrößerten fotografischen Arbeiten aus den Kugeln abgehängt. Vor allem Gras und Moosstrukturen werden sichtbar. Diese Bilder zeigen Stadien der sich in den kleinen Sphären abspielenden Sukzession.

Bildunterschrift: Benjamin Beßlich, Aus der Arbeitsgruppe "Nichts Besonderes", Papier, Zweige, Lack, Draht, Plastikkugeln, Erde, Wasser und Pfanzen, 2011


Kleider machen Kunst

Karin Arink und Reinhold Engberding

21. August bis 06. November 2011

Die Ausstellung präsentiert zwei Außenseiter der zeitgenössischen Bildhauerei. Beide Künstler arbeiten in sehr vielen Medien (Stoff, Kleidung, Keramik, Zeichnung, Sprache); im Zentrum des jeweiligen Oeuvres steht immer das Thema Mensch. Die Rotterdamer Bildhauerin Karin Arink (geb. 1967) und der Hamburger Reinhold Engberding (geb. 1954) nutzen Kleidung als Werkstoff. Als Schnittstelle zwischen Körper und Umwelt ist eine Umhüllung Träger von vielen möglichen Bedeutungen. Für Arink ist ihr eigener Körper der Bezugspunkt, für Engberding derjenige anderer Menschen, und aus dieser ersten Differenz entwickeln beide in der Ausstellung ein komplexes Spiel von visuellen Bezügen. Die Künstler werden anhand von Themen wie „Körper“, „Sexualität“ und „Identität“ ihre Arbeiten in den Räumen des Museums inszenieren und gegenseitig kommentieren.

Für die großzügige Unterstützung von Ausstellung und Katalog danken wir der Mondriaan Foundation, dem Fonds BKVB, dem Prins Bernhard Cultuurfonds, der Stokroos Stiftung und dem Freundeskreis des Gerhard-Marcks-Hauses e. V.


Den Podcast zur Ausstelung von Tim Schomacker (Kulturg.u.t.) finden Sie unter:
www.schwankungen.de
Den Podcast zum Mitnehmen finden Sie hier (rechte Maustaste)

Bildunterschriften:

Oben:
Karin Arink, H-dress und wearing H-dress to wooo you, 2001, Stretchstoff, Metall und Digitalfoto, Fotograf: Artur Clemens; X-pose (your self to me), 2001, beschichtete Baumwolle, Holz
Reinhold Engberding, Gehen - (Für Lucius Burckhardt), 2007, getragene Jacketts, Foto: Tim Kubach, Copyright: VG Bild-Kunst, 2011


Gerhart Schreiter

Kupferfolien: Skizze und Kunstwerk

21. August bis 06. November 2011

Die Ausstellung auf der Empore widmet sich nicht den Skulpturen von Gerhart Schreiter, sondern ausschließlich seinen Kupferfolien, die der Bildhauer u.a. als Vorstudien für Wand- und Reliefgestaltungen verwendete. An ihnen wird seine besondere Fähigkeit sichtbar, Flächen zu gliedern. Immer weiter tritt die Figur dabei in den Hintergrund, immer mehr die abstrakte Struktur als solche in den Vordergrund. Das wird beispielsweise erlebbar an der Tür zur Heilig-Geist-Kirche in Bremen-Vahr (1964) mit der „Speisung der Fünftausend“. Obwohl die Einzelfiguren voneinander abgegrenzt und gut erkennbar sind, vereinigen sie sich zu einem wogenden Teppich.

Den Reliefgestaltungen Schreiters gehen in der Regel keine Zeichnungen voraus, dennoch sind sie sorgsam durchgespielt und geplant. Er verwendete für die Vorstudien oft Kupferfolien, in die er das Motiv mit einem Stift eindrückte oder von der Rückseite her trieb, so dass bereits ein plastischer Eindruck entstand.

Bildunterschrift:
Gerhart Schreiter, Bremen-Vahr, Heilig-Geist-Kirche, Türflügel, 1964, Speisung der Fünftausend


Clarissa Dietrich

Kopfsache

24. August bis 03. Oktober 2011

Der erfundene Kopf ist das bevorzugte Sujet von Clarissa Dietrich. Sie macht keine Porträts und arbeitet nicht mit Modellen. Die Reduzierung der abbildenden Details und die nichtüberzeichnende Betonung markanter Merkmale, beherrscht sie dabei meisterhaft. Dadurch, dass ihre Köpfe unterlebensgroß sind, entsteht eine gewisse Distanz zum Betrachter. Die noch verstärkt wird, weil die Köpfe keinen Kontakt zueinander haben und in verschiedene Richtungen blicken.

Die Bremer Bildhauerin Clarissa Dietrich (geb. 1977), die Bildhauerei bei Bernd Altenstein studierte und gerade ihre Diplom-Prüfung absolviert hat, verbildlicht in ihren über 100 Köpfen erinnerte Eindrücke. In einem Spiel von Ähnlichkeit und Differenz bewegen sich die einerseits uniformen und doch individuellen Köpfe zwischen Allgemeinem und Besonderem. Dem Betrachter wird vor Augen geführt, wie man wahrnimmt, was man vergisst und was bleibt.